Auf dem Weg zur Adler-Fee

Unsere Freunde treffen am Weg zur Fee den geheimnisvollen Adler Names Asche. Doch plötzlich ist er verschwunden.

Sie flogen schweigend los und beiden war die Wichtigkeit ihres Auftrages völlig bewusst. Boris dachte an König Errich und an Fee, die sie für ihn suchen sollten, während Wicky sich die Wegbeschreibungen, die sie bekommen hatten, in Erinnerung rief.
„Da vorne müssen wir jetzt links dem Flusslauf folgen!“, rief sie ihrem Gefährten zu, und beide drehten ab, um im Tiefflug über das schillernde Wasser zu gleiten.
„Traumhaft!“; schwärmte Wicky, als sie ihre Zehen nach unten streckte und das Wasser aufwühlte.
„Ich bin dafür, dass wir hier eine Pause machen!“, Boris hatte nämlich gerade zwei Mäuse entdeckt, die am Ufer des Flusses vergnügt die Sonne genossen und sein Magen hatte dabei angefangen, heftig zu knurren. Da Wicky einverstanden war, griffen sie die beiden Mäuse lautlos an und verspeisten ihr Mittagsmahl, ehe sie eine kurze Rast einlegten. Wicky döste ein, während Boris Wache hielt. Denn wie sie während ihrer bisherigen Ausbildung gelernt hatten, konnten Gefahren überall lauern. Tatsächlich regte sich nach einiger Zeit etwas. Boris hielt den Atem an und lauschte konzentriert, während er sich vorsichtig umsah.
Und dann entdeckte er die hellgelben Augen. Vor Überraschung wäre Boris fast vom Ast gefallen. Noch nie hatte er solche hellen Augen gesehen. Fast weiß waren sie, im Regensatz zu dem Körper des Adlers, der rabenschwarz war. War es überhaupt ein Adler? Ja, dessen war sich Boris sicher. „Aber welcher Adler hat so ein schwarzes Gefieder?“, fragte er sich. Doch trotzdem war die Adlerdame wunderschön. Sie starrte Boris einige Zeit lang nur an, mit einem traurigen, und doch neugierigen Blick, dann blinzelte er und sie war wieder verschwunden.

Aber es dauerte nicht einmal einen Tag, als Boris und Wicky erneut auf die schwarze Adlerin stießen. Diesmal sah auch Wicky sie, als sie gerade über eine hügelige Landschaft flogen. Die Schwarze flog hinter ihnen und nur durch Zufall fiel sie ihnen überhaupt auf. Dann jedoch flogen beide einen plötzlichen Looping und überraschten die Adlerin, als sie neben ihr auftauchten.
„Verfolgst du uns?“, waren Boris‘ erste Worte.
„Ja“, gab die Fremde mit klarer, heller Stimme zurück und lächelte verträumt.
„Wer bist du?“, fragte Wicky neugierig.
„Man nennt mich Asche. Ihr seid Krieger der Adlerschwingen, nicht wahr?“
„Der Name Asche passt zu ihr“, dachte Boris, während Wicky Asche zunickte. Beide schwiegen daraufhin und warteten, ob Asche erklären würde, warum sie ihnen folgte, denn sie hatten bei Tiara auch gelernt, dass man Fremden nie zu viel verraten durfte. Asche erzählte ihnen aber ihrerseits nicht viel über sich, sodass Boris nachfragte: „Warum verfolgst du uns?“
„Ihr seid die ersten Adler, die ich seit Hunderten von Nächten sehe. Da war ich neugierig“, Asche schlug mit den Flügeln.
„Und was hast du jetzt vor?“ Wicky war skeptisch. Ihr war die Fremde nicht so richtig sympathisch, das merkte Boris genau. Aber er konnte auch nichts dagegen tun, er fand die Art der schwarzen Adlerin faszinierend.
„Ich will gerne mehr über das Königreich von König Errich erfahren“, sagte sie mit leiser, hoffnungsvoller Stimme. Plötzlich kam sie Boris wie ein verlorenes Adlerküken vor, das er selbst doch vor so langer Zeit gewesen war. So begann er ihr zu erzählen, wie der gerechte König seine Adler regierte und den Frieden aufrecht erhielt.
Asche verschlang jedes seiner Worte und konnte gar nicht genug von seinen Erzählungen bekommen.
„Boris…“, flüsterte Wicky nach einiger Zeit. „Meinst du, es ist klug, ihr so vieles zu erzählen?“
„Keine Angst, schöne Schwinge. Du kannst mir vertrauen, ich will euch nichts Böses…“
Wicky schien das nicht zu reichen, und um seine Freundin nicht zu verärgern, hielt Boris den Mund und erzählte Asche nichts mehr. Er lud sie auch nicht ein, mit ihnen zu kommen, aber Asche folgte ihnen ganze drei Tage wie ein schwarzer Schatten und sprach auch nicht mehr viel. Dann war sie eines Morgens einfach so verschwunden.

Autor: Steffi