Endlich wieder Wasser im Fluss

Die Verhandlungen unserer Katze Beere zeigen Erfolg, der Biber ist einsichtig und das Wasser kehrt zurück

„Du kannst doch nicht einfach den Fluss verstopfen! Denkst du kein bisschen an die armen Tiere, die wegen dir und deinem Größenwahnsinn kein Wasser mehr haben? Es reicht doch, wenn du den Damm über einen Teil des Flusses baust! Er ist dann immer noch groß genug für uns und unsere zukünftige Familie.“ Frau Biber war richtig in Fahrt gekommen und immer näher auf ihren baldigen Ehemann zu gewatschelt, während sie ihn anschrie. Beere sah der Szene mit großen Augen zu und warf dann Tiger einen verschmitzten Blick zu. Für einen Moment vergaß sie völlig, dass Schimmer neben ihnen stand und die alte Vertrautheit war plötzlich wieder da. Jedenfalls, bis Schimmer sich einmischte und Tiger strahlend anfunkelte.
„Sie werden den Damm auflösen!“, miaute sie freudestrahlend und Tiger schnurrte belustigt. Sofort überfiel Beere wieder diese Eifersucht, die sie so sehr hasste.
„Ich kann den Damm tatsächlich minimieren, allerdings nur auf die Hälfte!“, Herr Biber grummelte vor sich hin. Er wirkte unzufrieden, aber wahrscheinlich wollte er Frau Bieber nicht vergraulen. Diese lächelte ihn an und schlug mit ihrem Schwanz auf den Baumstamm.
„Was wollt ihr noch hier? Der Fluss wird spätestens morgen, nachdem die Sonne aufgegangen ist, wieder fließen. Ihr habt erreicht, was ihr wolltet, also könnt ihr ja wieder gehen!“, der Biber drehte den drei Katzen den Rücken zu und machte sich an die Arbeit, den Damm aufzubrechen.

„Schnell, wir müssen zurück zu Glimmer und Fleck!“, jaulte Schimmer und raste im selben Moment los. Tiger setzte ihr sofort nach und auch Beere folgte der Kätzin. Jetzt, nachdem das Problem gelöst war, stellte sie sich die unvermeidliche Frage, wie es weiter gehen sollte. Würde Tiger bei Schimmer bleiben wollen? Und was sollte sie machen, wenn dem so wäre?
Den ganzen Weg zurück zu Schimmers Familie hing Beere betrübt ihren Gedanken nach. Sie bemerkte nicht einmal, dass Tiger sie immer wieder besorgt von der Seite ansah, bis sie schließlich Schimmers Zuhause erreicht hatten. Das Wasser floss zwar immer noch nicht, aber die blaugraue, hübsche Kätzin war guten Mutes und erzählte ihrer Schwester Glimmer und deren Gefährten Fleck schnell, was sie herausgefunden hatten.
„Jetzt können wir nur noch warten“, miaute Tiger, als Schimmer mit der Erzählung fertig war.
Es wurde langsam Abend und die Wasserkatzen boten Tiger und Beere an, bei ihnen im unterirdischen Bau zu schlafen. Dankbar nahmen der Tigerkater und die rostbraune Kätzin dieses Angebot an und alle Katzen kuschelten sich eng aneinander. Bald schon konnte Beere die gleichmäßigen Atemzüge der übrigen Katzen hören, aber sie selbst konnte nicht einschlafen. Irgendwann hielt sie die Wärme und Ruhe der schlafenden Katzen und den Geruch der Jungen, die dicht an Glimmer gedrängt lagen, nicht mehr aus und sie stahl sich aus dem Bau hinaus. Dort hockte sich Beere an das Ufer des ausgetrockneten Flussbettes und sah schweigend in den dunklen Nachthimmel hinauf.
Sie wusste nicht mehr, wie lange sie da gesessen hatte, aber irgendwann klang ihr ein merkwürdiges Geräusch in den Ohren und der Geruch von Wasser kroch ihr in die Nase. Überrascht sah sie zu dem Flussbett hinunter. Es dauerte eine Weile, aber dann sah sie, wie das Wasser sich langsam seinen Weg durch das Flussbett bahnte, wie es sich langsam vorwärtsbewegte und den Fluss völlig auffüllte. Es war ein wunderschönes Schauspiel, das Beere da beobachtete, deshalb bemerkte sie gar nicht, dass sich ihr eine Katze von hinten näherte.

Autor: Steffi