Wieder vereint, die Suche hat ein Ende

Nach langer Suche ist Bois unser kleiner Adler endlich wieder mit seinen Eltern vereint

Boris Herz setzte einen Schlag aus, als er die Gestalten der beiden Adler langsam richtig erkennen konnte. Er wusste nicht, ob er sich das einbildete, aber sie kamen ihm vertraut vor, obwohl er sie noch nie gesehen hatte. Instinktiv wusste er, dass das seine Eltern waren. Die Eulengruppe rund um die zwei Jungadler löste sich auf und verneigte sich in der Luft, dann flogen sie zurück in die Richtung aus der sie gekommen waren. Boris verharrte so still in der Luft, wie es ihm möglich war und besah sich das Adlerpaar genau. Seine Augen wanderten über jedes kleine Detail in den Federkleidern bis hin zu den gelben Augen. In den hellgelben Augen der Adlerdame, die seine Mutter zu sein schien, schimmerte es und kurze Zeit später tropften heiße Tränen heraus und fielen in den gefrorenen Wald. Plötzlich war Boris nicht mehr kalt, der Wind hatte keine Kraft mehr. Eine tiefe Wärme durchströmte ihn und unbändige Freude.
„Kommt mit ihr zwei, zu unserem Nest. Dort können wir uns unterhalten!“, der Adler namens Anso sprach mit einer Stimme, die voller Emotionen war, und wandte sich sofort nach Westen. Sonia folgte ihrem Gefährten schnell, woraufhin sich Boris und Wicky ansahen und ihnen folgten. Wickys Augen glänzten zuversichtlich und glücklich, während Boris gar nicht wusste, was er sagen, denken oder fühlen sollte. Er war nur mehr verwirrt. Zwar hatte er die ganze Zeit gehofft, seine Eltern zu finden, aber wie er sich verhalten oder was er fühlen sollte, wenn er ihnen dann tatsächlich gegenüberstand – darauf war er nicht vorbereitet gewesen. 

Sie flogen keine fünf Minuten, dann hatten sie den glitzernden Eiszapfenwald hinter sich gelassen und flogen ziemlich steil bergauf, da die Schlucht von einem großen Felsenkessel umgeben war. Ganz oben auf dem Felsenkessel befand sich ein Nest, groß und geräumig, windgeschützt und kuschelig warm. Die Adler landeten, dann herrschte einen Moment lang Stille.
„Wie heißt du?“, fragte Sonia schließlich flüsternd und sah dabei Boris liebevoll an.
„Boris“, erklärte der junge Adler ziemlich verlegen. Was war das für eine verworrene Situation, dass er seinen Eltern erklären musste, wie er hieß?
„Boris“ – „Boris“, beide sprachen den Namen gleich aus, mit einem ungewöhnlichen Akzent, so als hätte er so einen sonderbaren Namen noch nie gehört. Für einen kurzen Moment hatte Boris Angst, dass seinen Eltern sein Name nicht gefallen würde, dann funkelten die Augen seines Vaters und er erklärte: „Wir haben gewusst, dass du uns eines Tages suchen würdest. Wir haben dich unsererseits lange gesucht, aber schließlich mussten wird aufgeben.“
„Du musst von Anfang an erzählen, Anso, sonst kennt er… sonst kennt sich unser Sohn nicht aus!“, als sie die Worte „unser Sohn“ aussprach, brach ihre Stimme und auch Boris fühlte ein merkwürdiges Gefühl in sich hochsteigen.
„Später, zuerst sollten wir auch seine Freundin begrüßen. Wie heißt du, kleiner Madagaskarseeadler?“
„Mein Name ist Wicky!“, stellte sie sich vor und Boris ergänzte schnell: „Sie ist meine beste Freundin. Gemeinsam haben wir schon viel erlebt und dienen als Adlerschwingen unter König Errich und Königin Asche.“
Ansos und Sonias Augen wurden groß und Sonia sagte stolz: „Ich glaube, auch ihr habt eine Geschichte zu erzählen. Aber zuerst würden wir gern erzählen, wie wir dich, Boris, verloren haben. Es ist eine traurige Geschichte, aber ich hoffe du wirst sie verstehen.“
Also begann Anso und gemeinsam erzählten sie die Geschichte, während Boris und Wicky lauschten.

Autor: Steffi