Der Weihnachtsmann und das Christkind

Flocke, das kleine Reh hört die Fortsetzung der Geschichte und erfährt, wie der Weihnachtsmann das Christkind trifft

An diesem Abend war Flocke ganz aufgeregt. Ihre Mama hatte ihr versprochen, die Gutenachtgeschichte über das Christkind weiter zu erzählen. Deshalb fraß das kleine Rehkitz auch brav alle grünen Blätter auf, die ihr Abendessen waren und die sie sonst immer gerne verschmähte. Dann legte sie sich schnell in ihrer Höhle hin und sah ihre Mutter flehentlich an: „Erzählst du  mir jetzt die Geschichte weiter?“

Also fing die Mutter wieder an, zu erzählen: „Der Schlitten ist gerade vor dem Christkind und seinen Engeln auf der Erde gelandet und der große, dicke Mann erhob sich schwerfällig von seinem Kutschbock. Sein Mantel, so erkannte das Christkind jetzt, reichte bis zum Boden und seine kleinen Füße steckten in schwarzen Stiefeln. Die Engel tuschelten verwundert untereinander, bis das Christkind ihnen gebot, still zu sein. „Wer bist du?“, fragte das Christkind mit seiner glockenhellen, zarten Stimme. „Die Frage ist wohl eher, wer du bist!“, antwortete der Mann mit tiefer Stimme, wobei seine schwarzen Augen neugierig über die Engelsschar und das Christkind glitten. Auch die Rentiere sahen die Engel mit großen Augen an. Das darf man ihnen aber nicht übel nehmen, denn das Christkind war schon ein herrlicher Anblick. Es hatte ein rundes Gesicht, das von langem, blondem Haar umrahmt wurde und um den Kopf trug es einen hellen Schein, der strahlend hell leuchtete. Es schwebte bloßfüßig über der schneebedeckten Erde und war, wie seine Engelchen, in ein langes, weißes Kleid gehüllt.
Dass der fremde Mann es nicht zu kennen schien, überraschte das Christkind sehr. Also fing es freundlich an, ihm das zu erklären: „Meine Engel und ich beschenken jedes Jahr an Weihnachten alle Menschenkinder und alle Tierkinder…“ Doch der Mann unterbrach sie, kaum dass sie diesen Satz beendet hatte: „DU beschenkst die Kinder? Ich mache genau dasselbe, Weihnachtsmann werde ich genannt und jedes Kind, ob Mensch oder Tier, freut sich auf den Heiligen Abend, an dem ich die Geschenke verteile!“
Jetzt war es draußen. Beide, Christkind und Weihnachtsmann starrten einander an und einen kurzen Moment wusste niemand, was er sagen sollte. Auch die Engel fingen wieder an zu tuscheln und diesmal hielt das Christkind sie nicht zurück. Ein neugieriger kleiner Engel schwebte vorwärts und streckte dem Rentier an der Spitze des Gespanns die Hand hin, in der es einen runden, roten Apfel hatte. Das Rentier zögerte kurz, dann fraß es den Apfel mit einem Bissen auf und bedankte sich. Daraufhin trauten sich auch die übrigen Engel zu den Rentieren hin, fütterten sie ihrerseits und begannen zuerst vorsichtig, dann immer angeregter Unterhaltungen.

„Was hat das Christkind gemacht?“, wollte Flocke wissen. Die Mutter seufzte und erzählte weiter: „Das wollte ich doch gerade erzählen! Also, sie standen da etwas verlegen nebeneinander und dann fing das Christkind so an: „Du fliegst also mit deinen Rentieren von Haus zu Haus, von Wald zu Wald?“ Es wollte nur zu gern wissen, wie dieser Weihnachtsmann im roten Mantel es schaffte, genauso leise und geräuschlos wie es selbst die Geschenke unter den Christbäumen zu verteilen. „Meine Rentiere landen auf den Dächern und dann kann ich durch den Kamin klettern. Es ist jedes Jahr eine mühselige Angelegenheit, aber derweil passe ich noch durch jeden Kamin, ho ho!“ Der Weihnachtsmann lachte und hielt sich dabei seinen dicken Bauch. Auch das Christkind lachte verlegen. Als nächstes wollte der Weihnachtsmann wissen, wie das Christkind denn die Kinder zu beschenken pflegte. Nachdem sie es ihm erklärt hatte, sahen sie schweigend zu, wie die Engelschar die Rentierherde streichelte und fütterte. Das Christkind hatte plötzlich eine Idee. Was wäre, wenn sie und der Weihnachtsmann den Rest der Tierkinder und Menschenkinder gemeinsam beschenkten?“ Mutter Reh endete ihre Geschichte, aber Flocke wollte nicht glauben, dass diese heute schon wieder zu Ende war.
„Noch weiter!“, bettelte sie, aber die Mutter schüttelte nur den Kopf: „Wenn du willst, erzähle ich morgen Abend weiter, in Ordnung?“ Also nickte das Rehkitz und bettete en Kopf auf die Pfoten. Bald schon war Flocke eingeschlafen und träumte vom Christkind.

Autor: Steffi