Eine wahre Weihnachtsgeschichte

Flocke das kleine Reh hört die wahre Weihnachtsgeschichte vom Christkind und dem Weihnachtsmann

„Willst du gar nicht wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist?“, fragte Mutter Reh leise. Flocke hob den Kopf. Natürlich hatte sie nicht vergessen, dass die Mutter ihr heute den letzten Teil der Weihnachtsgeschichte erzählen wollte. Sie hatte nur kurz die Augen zugemacht, und daran gedacht, wie es dem Christkind und dem Weihnachtsmann wohl gemeinsam ergangen war. Jetzt richtete sich das Rehkitz wieder auf und sah die Mutter fragend an.
„Also, das Christkind und der Weihnachtsmann machten sich also gemeinsam auf den Weg. Der Mann im roten Mantel stieg in seinen Schlitten und rief seinen Rentieren zu: „Hü! Los, meine lieben!“ Die Engelsschar folgte dem Schlitten durch die kalte Nachtluft. Es war schon eine merkwürdige Prozession, denn noch nie hatten die Waldbewohner Christkind und Weihnachtsmann gemeinsam gesehen. Sie kamen auch bald an einen Bach, an dem sie Halt machten. Hier lebte Familie Hase, eine riesige Familie mit sieben Hasenkindern.
Das Christkind hatte die Geschenke für die Familie in einem Beutel und holte sie nun heraus. Sie legte obendrauf noch eine große Kuscheldecke, unter die alle passen würden und der Weihnachtsmann dekorierte das Bild mit einigen Nüssen und Karotten. Zufrieden lächelten sie einander an. Familie Hase würde sich gewiss sehr darüber freuen. Dann ging es weiter und das nächste Mal hielten sie an einem kleinen Häuschen. Neugierig sah das Christkind vom Dach zu, wie der Weihnachtsmann den Schlitten abstellte und in seinem Sack herumkramte. Er holte ein paar bunt verpackte Geschenke heraus und machte sich daran, durch den Schornstein zu klettern. Hierfür griff er in seine Manteltasche und holte ein glitzerndes Pulver heraus, das er in den Schornstein streute. „Damit ich durchpasse und nicht schwarz werde“, erklärte er dem Christkind lachend und kletterte dann hinein. Schwupps und weg war er. 

Das Christkind schwebte vom Dach hinunter und durch das Fenster hinein, wie es das immer tat. Während der Weihnachtsmann die Geschenke vorsichtig unter den Baum legte, zündete das Christkind mithilfe seiner Engel die Kerzen an der Weihnachtstanne an und verteilte noch weitere Kerzen, damit der Raum hell erleuchtet war. Zufrieden verließen beide das Haus aus ihrem üblichen Weg und trafen sich auf dem Dach wieder, wo der Weihnachtsmann in seinen Beutel sah und feststellte: „Ich denke, das war’s jetzt, oder hast du nach etwas?“
Als das Christkind den Kopf schüttelte, klopfte sich der Weihnachtsmann auf den dicken Bauch und lachte zufrieden auf. „Wir sollten uns zusammentun, wenn wir die Arbeit geschickt aufteilen, würde jeder einen Vorteil daraus ziehen!“
Einen Moment lang überlegte das Christkind, dann sah es seine Engel an. Diese nickten begeistert und nicht wenige sahen zu den Rentieren hinüber. Das Christkind musste lächeln – warum auch nicht?
„Wir könnten uns auf jeden Fall im nächsten Jahr vor Weihnachten austauschen und das Ganze besprechen.“
„Klasse!“, der Weihnachtsmann klatschte begeistert in seine behandschuhten Hände und schüttelte dann dem Christkind überschwänglich die Hand.
„Wir machen uns dann jetzt aber wohl besser wieder auf den Weg. Es wird langsam Morgen und am Nordpol wird man uns schon erwarten!“
„Ihr kommt tatsächlich vom Nordpol?“, erstaunt sah ihn das Christkind an.
„Natürlich, was hast du denn gedacht? Nur dort kann man in Ruhe Weihnachtsvorbereitungen treffen, es ist viel Platz für meine Elfen und die Geschenkfabriken und außerdem ist es schön kalt dort. Aber jetzt müssen wir wirklich los, kommt!“, damit schnalzte er mit der Zunge und die Rentiere erhoben sich wieder in die Lüfte. Das Christkind und seine Engel winkten, bis sie nicht mehr zu sehen waren und in der Nacht verschwunden waren.
Prompt fingen die sonst so braven und ruhigen Engel an, aufgeregt über die Rentiere und das neu erlebte zu reden. Das Christkind lächelte nur milde, doch wenn es ehrlich war, freute es sich schon auf das Wiedersehen mit dem Weihnachtsmann im nächsten Jahr.“
„Das war eine schöne Geschichte!“, Flocke seufzte und schloss die Augen. Die Mutter lächelte und beobachtete, wie das kleine Rehkitz in Windeseile eingeschlafen war. Dann sah das Reh in den Sternenhimmel hinauf. In dieser Nacht zogen das Christkind und der Weihnachtsmann wieder ihre Runden. Es war schon zwei Winter aus, dass sie die beiden beobachtete hatte und ihr ein Rentier diese Geschichte erzählt hatte. Mutter Reh hatte die Geschichte anfangs nicht glauben wollen, aber spätestens, als sie das Christkind und den Weihnachtsmann gemeinsam gesehen hatte, musste sie es dann doch tun. Was Flocke wohl von der Geschichte hielt? So wie Mutter Reh ihr kleines Rehkitz kannte, träumte die gerade von dem eben erzählten und wünschte sich, das Christkind persönlich zu treffen…

Autor: Steffi