Beere und der Streit am Wasser

Unsere Gefährten sind sich nicht einig, wie die Suche fortgesetzt werden soll und es kommt zum unausweichlichen Streit.

„Wir brechen sofort auf und suchen flussaufwärts!“, bestimmte Tiger und sah erst Schimmer, dann Beere an.
„Jetzt sofort?“, fragte Beere völlig überrumpelt. Sie grub unruhig ihre Krallen in die Erde, wie konnte Tiger einfach so aufbrechen und nach dem verschwundenen Wasser suchen? Es war viel zu gefährlich, denn wer hatte schon die Macht, einen ganzen Fluss verschwinden zu lassen? Jemand, der so stark und gefährlich war, würde ein  mächtiger Gegner sein. Weitaus schlimmer als ein Fuchs.„Tut er das für Schimmer?“, fragte sich Beere im Kopf die ganze Zeit. Der Dorn stach wieder zu, fest und schmerzhaft. Sie wusste noch nicht genau, was ihre Gefühle bedeuteten, aber Tiger so in Sorge um Schimmers Heim zu sehen, machte sie wahnsinnig.
„Willst du Schimmer, Fleck und Glimmer und ihren Jungen etwa nicht helfen?“, fragte Tiger angriffslustig.
„Natürlich will ich helfen!“ Beere schüttelte den Kopf und fragte sich im Geiste: „Wie kann er mir nur so eine Frage stellen? Er weiß ganz genau, dass ich nicht tatenlos zusehen kann, wenn solch ein Unglück passiert. Oder etwa nicht?“

„Sieht nicht so aus…“, Der Kater murmelte es leise, während er sich Schimmer zuwandte, doch Beere hörte es und das fehlende Vertrauen des Freundes verletzte sie tief, doch sie ließ sich nichts anmerken und sagte nichts mehr, so als hätte sie nichts gehört. Fleck, der immer noch vor ihnen stand, und die Situation schweigend beobachtete, starrte Beere an – der Blick des gefleckten Katers bereitete ihr Unbehagen. Ahnte Fleck etwas von den Gefühlen, die sie verbarg?
Die rostbraune Kätzin kapselte sich ab und ließ Schimmer und Tiger weiter eifrig und besorgt darüber sprechen, was sie jetzt tun würden. Sie hing währenddessen ihren Gedanken nach und betrachtete Tiger. Der Tigerkater war sehr groß und muskulös, hatte einen breiten Kopf und starke Schulter, außerdem einen langen, etwas buschigen Schwanz und bei jeder Bewegung konnte man die Muskeln unter seinem glatten, weichen Fell spüren. Dann musste Beere daran denken, wie sie ihren Freund kennen gelernt hatte. Sie war noch ein Junges gewesen, gerade von ihrer Mutter getrennt und zu dem netten Pärchen gekommen, das ihre neuen Felllosen waren. Das ganze Haus und der Garten war ihr noch unbekannt gewesen und sie hatte sich unter einem Tannenbaum versteckt, ängstlich, aber auch neugierig. Und dann war Tiger von einem benachbarten Garten über den Zaun gesprungen. Auch er hatte noch das flauschige Fell eines Junges, allerdings war er schon etwas älter und größer, und außerdem schon viel länger bei den Aufrechtgehern.
„Beere, kommst du?“, Schimmers ungeduldige Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Mit ihren schönen, blauen Augen sah sie die rostbraune Kätzin gereizt an und schnippte ihr mit dem Schwanz zu.
„Ich bin immer noch der Meinung, dass wir…“, weiter kam sie nicht, denn Schimmer und Tiger liefen einfach los, ohne auf ihren Protest zu achten. Einen Moment überlegte Beere, ob sie nicht einfach hier bleiben sollte, aus Protest und weil sie den beiden nicht nachlaufen wollte, doch dann siegte ihre Neugier. Während sie in dem trockenen Flussbett den zwei Katzen folgte, spürte sie immer noch Flecks Blick auf sich ruhen. Doch als sie sich zu ihm umdrehte, verschwand er gerade hinter der Böschung, vermutlich zu seinen Jungen und seiner Gefährtin. Blitzartig kam in Beere die Vorstellung von einem warmen Nest, dem Geruch nach Milch und Jungen und sie wünschte sich, ebenfalls eine richtige Familie zu haben.

Autor: Steffi