Das Abenteuer am Krustenbaum im Westen

Unsere Freunde erleben ein weiteres Abenteuer und fliegen nach Westen in ein anderes Reich. Dort treffen Sie die Möwen...

Boris und Wicky flogen drei Tage und drei Nächte in den Westen, ehe etwas Aufregendes passierte. Sie überflogen die Grenze ihres Königreiches und mussten fortan aufpassen, was sie taten. Die Landschaft wurde langsam hügelig und das Gras brauner, die Bäume trugen weniger Laub und ein unguter Wind begleitete sie auf ihrem Weg.
„Das ist das Königreich von Mönich, dem Möwerich!“, rief Wicky ihrem Freund nach einiger Zeit zu. Boris nickte, er hatte nicht vergessen, was sie bei Tiara gelernt hatten. König Mönich regierte hart und streng, aber er sorgte auch gleichzeitig dafür, dass kein Möwenküken verhungerte oder ausgestoßen wurde und die Möwen verehrten ihren König. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie nichts anderes als diese Strenge kannten und Möwen generell dumm waren, jedenfalls glaubte Boris das.
Tatsächlich begegneten ihnen auch schon bald die ersten Möwen. Über zwanzig weiße Vögel waren es, die plötzlich unter ihnen auftauchten und laut schnatternd mit den Flügeln schlugen. Sie bemerkten nicht einmal die beiden Fremdlinge über ihnen und da weder Wicky noch Boris große Lust hatten, die neugierigen Vögel auf sich aufmerksam zu machen, flogen sie leise wie Adler es nun mal tun, weiter und hatten die Möwen bald schon hinter sich gelassen. Doch dieser Schwarm war nicht der einzige, den die zwei entdecken. Innerhalb kürzester Zeit wimmelte die Luft um sie herum von Möwen, die allesamt laut miteinander schwatzend flogen und dabei wie riesige, weiße Wolken aussahen..

Anfangs wurden die zwei Jungadler nicht entdeckt, doch dann wurde eine recht kleine Möwe auf sie aufmerksam und der erste Schwarm Möwen flog auf Boris und Wicky zu.
„Wer seid ihr?“, wollte die kleine Möwe, die sie bemerkt hatte, wissen.
„Was wollt ihr hier?“, plapperte ein anderer Möwerich dazwischen.
„Hallo! Mein Name ist Boris und das…“, fing Boris an, doch sofort wurde er von einer dritten Möwe unterbrochen: „Salbei, lass Nala ausreden!“
„Misch dich du nicht ein, Grashüpfer!“, Nala, die kleine Möwe, schlug wütend mit den Flügeln und im Nu war eine lautstarke Zänkerei im Gange. Boris warf Wicky einen Blick zu, dann legten beiden gleichzeitig die Flügel an und brachten sich schnell in Sicherheit. Im Sturzflug zischten sie an dem weißen Schwarm vorbei und bremsten erst kurz vor der Erde ab, dann brachten sie sich mit wenigen, kräftigen Flügelschlägen wieder hoch in die Luft und sahen nach hinten, wo die Möwen immer noch lautstark stritten.
„Zum Glück liegt König Mönichs Reich nicht direkt an unseren, diese Vögel würde ich nicht den ganzen Tag aushalten“, Wicky schüttelte sich und Boris konnte ihr da nur zustimmen. „Wenn meine Eltern hier in der Nähe leben, wie halten sie das dann bloß aus?“, fragte er sich.
Tatsächlich konnte es jetzt nicht mehr weit sein und die beiden Adler fingen an, Ausschau nach einem Baum zu halten, der „Krustenbaum“ genannt werden konnte.
Boris war es, der schließlich einen Baum erblickte, der völlig auf die Beschreibung „Krustenbaum“ passte. Ein riesiger Baum mit ausladenden Ästen, dessen Baumrinde schon aus weiter Ferne zu erkennen war. Boris hatte noch nie einen solchen Baum gesehen, einen Baum, bei dem die Rinde überlappend und doppelt lag, laute große Knöpfe bildete und dazwischen tiefe Rillen hatte.
„Der Krustenbaum im Westen“, flüsterte Boris seiner Freundin leise zu, ehe sie langsam zum Landeanflug ansetzten.

Autor: Steffi