Beere geht in den Wald

Das Abenteuer von Beere unserer kleinen Katze beginnt im nahen geheimnisvollen Wald.

„Beere?“  Obwohl ihr Name nur ganz leise miaut wurde, fuhr die angesprochene Katze mit einem Ruck aus dem Schlaf hoch. Vor Schreck sprang sie einen gewaltigen Satz rückwärts, wobei sie mit einer Pfote in die mit Milch gefüllte Schale trat und die weiße Flüssigkeit über den ganzen Boden spritzte. Dann blinzelte sie und erkannte erst jetzt, dass es kein anderer als ihr Freund Tiger war, der sie amüsiert betrachtete. Unwillig fauchte die kleine Katze mit dem roten Fell und tappte dann vorsichtig aus der verschütteten Milch. Angewidert setzte sie sich auf ihre Pfoten und begann, sich den nassen und klebrigen Pelz zu waschen.

„Was ist denn so wichtig, dass du mich nicht in Frieden lassen kannst, wenn ich schlafe?“, fragte sie etwas unwillig und sah den getigerten Kater an, der unruhig mit dem Schwanz schlug.

„Ich muss dir etwas zeigen!“, erklärte dieser geheimnisvoll und deutete ihr mit einem Schwanzschnippen, ihm zu folgen. Jetzt doch neugierig geworden, erhob sich Beere und folgte dem Freund durch ihre Klappe hinaus aus dem Nest ihrer Zweibeiner, die ihr jeden Morgen und Abend Futter und Milch gaben und sie manchmal auch hochnahmen, streichelten oder mit ihr spielten. Das helle Licht der Sonne, die gerade ihre ersten warmen Strahlen in den Garten von Beere schickte, blendete die Katze, doch Tiger ließ ihr keine Zeit, sich daran zu gewöhnen, sondern sprang mit einem Satz auf den Apfelbaum und balancierte von dort aus auf dem schmalen Zaun, der die Grenze von Beeres Territorium bildete. Dahinter war bisher ein riesiges Nest von Zweibeinern gewesen, die ein Monstrum von Hund hatten, doch jetzt stockte Beere der Atem, als sie Tiger gefolgt war. Ein gelbes Zweibeinerding stand dort, ragte hoch in den Himmel auf und hatte offenbar zusammen mit einigen Artgenossen das große Nest zerstört, denn dort wo es gelegen hatte, war jetzt nur mein Geröll und die merkwürdigen Zweibeinerdinge.  Aber was Beere am meisten faszinierte, war das, was dahinter lag. Bäume, wohin sie nur blickte! Eine dichte Wand aus Bäumen und kein Pfad, der hinein oder hinausführte. Beere hatte noch nie in ihrem Leben so viele Bäume gesehen und so riss sie vor Staunen das Maul weit auf.

„Die Zweibeinerdinge haben gestern angefangen, Lärm zu machen, aber du hast so tief geschlafen, dass du nichts mitbekommen hast“, erklärte Tiger aufgeregt. „Jetzt können wir endlich den Wald dahinter erforschen!“ Beere wusste, dass es der größte Wunsch ihres Freundes war, das Land hinter ihrem Zweibeinerort zu entdecken. Bis jetzt waren sie noch nie an diesem Nest vorbeigekommen, da der gigantische Hund sie immer vertrieben hatte. Schon oft hatten sie es versucht, aber egal ob nachts oder tagsüber, immer wartete der Hund auf sie, begann laut zu kläffen und kam auf sie zugelaufen, die Lefzen gebleckt und Schaum im Maul. Tiger hatte sich einmal auf einen Kampf mit ihm eingelassen, und musste danach fast einen Mond lang im Nest seiner Zweibeiner bleiben. Aber jetzt lag der geheimnisvolle Wald endlich offen vor ihnen, bereit, erforscht zu werden.

„Wenn wir jetzt gleich losgehen, können wir zu Sonnenuntergang wieder hier sein“, miaute Tiger und sah sie drängend an. Beere überlegte kurz, dann sah sie den hoffnungsvollen und abenteuerlustigen Ausdruck in den bernsteinfarbenen Augen ihres Freundes und nickte ergeben. Immerhin war auch sie neugierig auf die Abenteuer, die dort im Wald auf sie lauerten.

Autor: Steffi