Blue und der Auftrag

Boris bekommt einen Auftrag. Es geht um das Gehemnis von Blue aber er scheint daran zu scheitern

„Ich glaube es einfach nicht!“, Wicky war außer sich vor Freude. Sie schlug einen Looping in der Luft und ließ sich ein paar Flügelspannweiten nach unten fallen, nur um kurz darauf wieder neben Boris aufzutauchen. Ihr Freund betrachtete ihre begeisterten Flugmanöver amüsiert und dachte daran, wie Tiara ihnen heute Morgen die Aufgabe erklärt hatte, die sie heute erledigen sollten. Es war ihr erster Ausflug ohne einen ausgewachsenen Adler und beiden Jungvögel waren äußerst stolz und gleichzeitig tierisch nervös. Was war, wenn sie einen Fehler machten? Aber Boris war sich inzwischen fast sicher, dass sie keinen Patzer machen würden. Bis hierhin hatte jedenfalls alles funktioniert. Sie waren dem Flusslauf des Schwarzbeerflusses gefolgt, hatten die Felsenallee hinter sich gelassen und flogen nun direkt auf den Wald der Nebelschleier zu.
„Dieser Wald ist unser Ziel“, dachte Boris leicht beunruhigt. Selbst in der strahlenden Nachmittagssonne ging von dem Wald ein eigenartiges Leuchten aus. Die Nebelschwaden, die selbst jetzt noch in den Bäumen hingen, schienen den jungen Adler wie magisch anzuziehen, und ohne seinen Flügeln einen direkten Befehl zu erteilen, trugen sie ihn tiefer und näher auf den geheimnisvollen Nebel zu.
„Boris, was machst du da?“, hörte er die Stimme seiner Freundin wie aus weiter Ferne, aber Boris achtete nicht darauf.
„Komm zu mir, junger Adler! Komm Boris, Sohn des ersten Ritters und letzten Edelmannes. Komm und sing mit uns das ewige Lied der Nacht!“, es war unbeschreiblich. Boris konnte sich nicht erklären, von wo die Stimme gekommen war, aber mit einem Mal war sein Kopf erfüllt von Nebel und Dunkelheit. Er konnte nicht mehr klar denken, die wunderschöne Stimme verwirrte ihn zutiefst. Wer hatte ihn da gerufen und besonders, WAS hatte dieser Jemand da gerufen? Alles war so weit weg, jeder Gedanken war schwierig zu fassen und der Nebel nahm ihm die Sicht…

„Boris, hörst du mich? Wir müssen hier weg, ganz schnell!“ Er sah Wicky und er hörte auch, was sie sagte, aber Boris begriff keines ihrer Worte.
„Boris, wir fliegen jetzt sofort von hier weg!“, der Angesprochene wandte den Kopf und sah den Madagaskarseeadler aus verschleierten, gelben Augen an. Dann sah Wicky, wie ihr Freund langsam begriff was sie gesagt hatte. Dieser beunruhigende Nebel verschwand aus seinem Blick und er konnte offensichtlich wieder klar denken.
„Nichts wie weg!“, murmelte er leise und schlug kräftig mit den Flügeln, um schnell an Höhe zu gewinnen. Wicky folgte ihm schweigend. Erst, als sie wieder die Sonne auf dem Gefieder spürten, setzte sie an: „Was hast du da im Schnabel?“
Hätte sie ihn nicht darauf aufmerksam gemacht, hätte er die lange, blaue Feder in seinem Schnabel nicht bemerkt. Jetzt betrachtete er sie eingehend, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wie diese in seinen Schnabel gekommen war.
„Wir sollten zu Tiara zurückfliegen, es wird schon dunkel.“
„Und was ist mit dem Auftrag? Wir müssen doch Blue finden und Tiara eine Nachricht von ihm überbringen…“, Boris grummelte vor sich hin, denn eigentlich wusste er, dass es keinen Sinn hatte, jetzt noch weiter nach Blue zu suchen. Die lange Feder war das einzige, dass sie Tiara vorweisen konnten und die würde nicht gerade begeistert über den Fehlschlag ihres Auftrags sein, aber sie hatte die beiden Jungvögel auch davor gewarnt, nach Einbruch der Dunkelheit über den Wald der Nebelschleier zu fliegen, und Blue musste sich irgendwo in diesem Wald befinden.

Boris‘ Herz klopfte wie wild, als Wicky und er die Berge erreichten, in denen sie lebten und auf den Horst zusteuerten, wo Tiara und Boris ihr Nest hatten.
„Da seid ihr ja endlich!“; rief diese zur Begrüßung. Sie strahlte beim Anblick der Jungvögel, und Erleichterung machte sich in ihr breit. „Es tut uns Leid, Tiara“, erklärte Boris bedrückt und wollte schon weitersprechen, als die bunte Feder aus seinem Schnabel fiel und langsam in das Nest segelte.
„Gratuliere, Boris und Wicky, ihr habt den Auftrag glänzend bestanden!“
„Aber wir…“, fing Wicky an.
„Die ist eine Feder und gleichzeitig eine Nachricht von Blue. Sie lässt sich nie blicken, nur durch ihre Federn hinterlässt sie Zeichen…“
„Das heißt, Blue hat mir diese Feder gegeben?“, fragte Boris verwundert nach. Aals Tiara nickte, sahen sich Wicky und er verwundert an, aber Tiara erklärte dies nicht weiter.
„Schlaft gut, meine Lieben.“
Doch Boris schlief lange nicht ein, immer wieder musste er an die rätselhafte Stimme denken und an die Worte, die er immer noch nicht begreifen wollte…

Autor: Steffi