Polly, das kleine Fohlen hat Fragen über Fragen

Polly ist sehr wissensdurstig und fragt seiner Mutter Löcher in den Bauch. Dann lernt Sie Blume kennen.

Den ganzen Tag lang blieb Polly immer eng an ihre Mutter geschmiegt und sah sich ängstlich auf der Wiese um, auf der die Herde graste. Als dann nach einiger Zeit des friedlichen Grasens die braune Stute, die neben Serafina und Polly stand, zu ihnen herüber kam, versteckte sich Polly schüchtern unter dem Bauch ihrer Mutter.
„Ein wunderschönes Fohlen hast du da, Serafina. Aus ihr wird einmal eine prächtige Stute. Ich habe gehört, dass Donner schon auf dem Weg hierher sein soll.“, die Braune senkte den Kopf, um Polly näher in Augenschein nehmen zu können. „Hallo, kleine Polly. Ich bin Lia.“
Einen Moment musterte Polly die fremde Stute, dann versteckte sie den Kopf hinter dem Bein ihrer Mutter. Sie lauschte dem Gespräch der beiden und fragte sich, wer wohl dieser Donner war, über den sie sprachen. Als Lia weg war, fragte Polly Serafina vorsichtig nach Donner.
„Donner ist der Leithengst unserer Herde. Er beschützt uns und ist auch dein Vater. Gerade jetzt ist er allerdings weit weg, denn  er musste das Tal, in das wir wandern, nach Feinden absuchen. Wenn er wieder hier ist, kann uns Wanda dorthin führen, damit alle Fohlen dort ohne Sorgen und Probleme groß werden können.“ Das war eine Menge Informationen, die Polly da bekam. Was bedeutete „Vater“ genau? Und was sollte da heißen „alle Fohlen“. Gab es etwa noch andere Fohlen außer ihr? Außerdem war das schwarze Fohlen neugierig auf das Tal, in dem es anscheinend gar keine Gefahren gab. Aber was waren Gefahren überhaupt?
Polly stellte ihre Fragen auch, doch kaum hatte ihre Mutter alle beantwortet, vielen ihr neue Fragen ein. Was waren das für merkwürdige, gelbe Blüten auf dem Boden? Warum fraß Serafina Gras, während sie selbst das grüne Zeug widerlich fand? Wer waren die anderen Stuten und warum hatten manche von ihnen so dicke Bäuche, ganz im Gegenteil zu Pollys Mama? 

Die meisten Fragen hatte Polly allerdings, als sie gerade eine Woche alt war, denn da ereignete sich etwas sehr merkwürdiges. Die braune Lia verschwand steifbeinig und stöhnend und kehrte erst ein paar Stunden später zurück, der dicke Bauch war aber verschwunden. Gerade wollte Polly fragen, was mit Lia passiert war, als ein graues Etwas hinter ihren Beinen hervorlugte. Das kleine Ding war natürlich sehr viel interessanter als Lias Bauch, fand Polly.
„Was ist das?“, fragte sie sofort.
„Nicht was, wer! Das ist Lias Fohlen, geh doch hin zu ihr und frag sie, wie es heißt!“, schlug Serafina vor. Erst traute sich Polly nicht, doch dann wurde die Neugierde zu groß und sie trabte eifrig zu Lia hinüber.
„Das ist Blume!“, erklärte die Mutterstute stolz und leckte ihrer Tochter zärtlich über den struppigen und noch etwas nassen Kopf. Blume war um einiges kleiner als Polly, aber die Ältere schloss sie sofort ins Herz. Man musste das graue Fohlen aber auch sofort lieb haben, wie sie aus großen Augen staunend die Welt betrachtete und auf ungelenken Beinen herumstakste.
An diesem Abend schlief Polly schnell ein, und träumte von den kommenden Abenteuern, die sie gemeinsam mit Blume erleben würde…

Autor: Steffi