Der Dorn im Herzen

Das Abenteuer unserer kleinen Katze geht weiter, aber dann treffen Sie auf dem Weg auf das unfassbare...

Den ganzen restlichen Tag verbrachten Beere, Tiger und Schimmer damit, flussaufwärts zu laufen und interessante Details über das Leben der anderen zu erfahren. Inzwischen wussten die zwei Freunde alles über die Wasserkatze und diese ihrerseits über ihr Leben bei den Pelzlosen. Schimmer lebte mit ihren drei Brüdern und ihren Eltern in einer Höhle neben dem Wasser und fast ihre ganze Nahrung bestand aus Fisch.
Als es Abend wurde, beschlossen sie, an einem geschützten Platz am Ufer des Flusses die Nacht zu verbringen und legten sich nach einer ausgiebigen Mahlzeit schlafen.
Am nächsten Morgen wachte Beere auf, als etwas Nasses und Kaltes sie traf. Sie schreckte hoch und sah sich Auge in Auge einem großen, toten Fisch gegenüber.
„Wollt ihr mal probieren? Ihr habt sicher noch nie einen Fisch gefressen, oder?“, Schimmer schlug begeistert mit dem Schwanz, als auch Tiger langsam die Augen öffnete und sich streckte.
„Ich bin gespannt, wie der schmeckt!“, miaute Beere neugierig und schlug ihre Zähne in das glitschige Tier. Die rotbraune Kätzin schluckte einen großen Bissen hinunter und verzog augenblicklich das Gesicht. „Igitt!“, kreischte sie auf. Der Fisch schmeckte widerlich. Er war nur nass und glitschig, und ähnelte kein bisschen dem Geschmack einer saftigen Maus.

„Ihr könnt ja dieses ekelerregende Fischding essen, aber ich fang mir jetzt eine frische Maus!“, damit verschwand Beere im Gebüsch. Wenig später hatte sie zwei Mäuse gefangen und konnte ihren Hunger stillen, auch der Fischgestank verschwand endgültig aus ihrer Nase. Zufrieden kehrte sie wieder an das Flussufer zurück, wo Tiger und Schimmer dicht nebeneinander am Flussufer hockten, sodass sich ihre Pelze leicht berührten.
Verwundert trat Beere näher und hörte das leise Schnurren der hübschen Kätzin, während diese Tiger gerade erklärte, wie man richtig fischte.
„Du musst ganz vorsichtig sein und Geduld haben, sonst wird das nichts…“, miaute die graublaue Katze und rückte noch ein Stück näher an Tiger, dem das zu gefallen schien.
Ein unbekanntes Gefühl kroch in Beere hoch, das sie nicht einordnen konnte. Wie ein Dorn bohrte es sich in ihr Herz und schmerzte tief. Sie sah nur die Rücken der beiden Katzen, doch bei dem Anblick schien ihr Herz stillzustehen. „Tiger und Schimmer“, dachte sie traurig. „Braucht er mich dann überhaupt noch?“

Eine kleine Ewigkeit stand sie da und lauschte der Lektion, die Schimmer ihrem Freund gerade gab, bis sie irgendwann genug hatte und laut miaute: „Wir sollten weiterlaufen!“
Ohne eine Antwort abzuwarten, stürmte sie davon, und ließ zwei verdutzte Katzen hinter sich, die sich jetzt beeilen mussten, um ihr folgen zu können.
„Sie ist viel hübscher als ich, klüger und kennt sich hier draußen viel besser aus als ich“, dachte Beere verbittert. Sie sah an sich herab, sah das rotbraune Fell, das auch mal wieder eine gründliche Pflege vertragen würde und verglich ihren Pelz mit dem schönen, glänzenden Fell der Katze, die so viel Zeit im Wasser verbrachte. Nicht nur, dass Schimmer klüger und hübscher als sie selbst war, nein, sie war auch viel interessanter. „Wie oft findet man schon eine Katze, die das Wasser so mag.“
Tiger und Schimmer schlossen eine Weile später zu ihr auf und fingen an, sich zu unterhalten, während Beere ihren trübsinnigen Gedanken nachhing. Sie ließ sich etwas zurückfallen und lief den zwei Katzen nach, die sie prächtig zu amüsieren schienen. Doch plötzlich blieben die blaugraue Katze und der getigerte Kater abrupt stehen.
„Du meine Güte!“, keuchte Schimmer.
Neugierig kam Beere näher und auch ihr stockte der Atem bei dem Anblick, der sich ihnen bot.

Autor: Steffi