Die Wahrheit

Unsere Katze Beere muss sich nach den abgeschlossenen Abenteuern endlich der Wahrheit stellen.

Einige Zeit lang saß Beere schweigend da, dann räusperte sich Tiger hinter ihr und sie fuhr zusammen.
„Ich habe dich gar nicht gehört…“, miaute sie verlegen und sah weg. Tiger sagte nichts, deshalb fragte Beere leise: „Was wirst du jetzt tun?“
Diese Frage schien den Tigerkater zu überraschen. Er legte seinen Kopf schief und sah Beere an, doch die blickte stur auf das Wasser hinaus. Sie wollte nicht sehen, wie er ihr seine Liebe zu Schimmer gestand, aber sie musste die Gewissheit haben, dass es so war, sonst würde sie nie Ruhe finden.
„Wie meinst du das?“, fragte Tiger langsam und mit leiser Stimme.
„Naja, bleibst du hier oder geht ihr gemeinsam fort?“, Beeres Stimme brach, sosehr sie auch versuchte, sich den Kummer und den Schmerz nicht anmerken zu lassen.
„Wovon sprichst du?“ – „Was meinst du?“ – „Was meinst du?“ – „Du verwirrst mich, Tiger“
Jetzt herrschte wieder Stille.
„Wieso sollte ich hier bleiben? Das ist nicht mein Zuhause. Für mich wird es Zeit, mit meiner großen Liebe gemeinsam einen Ort zu finden, wo wir leben können.“ Da war sie, die Wahrheit. Beere schluckte und sie schloss die Augen. Warum konnte er es nicht endlich aussprechen, dann wusste sie Bescheid. Im Grunde hatte er es doch bereits gesagt, aber warum klopfte ihr Herz dann wie verrückt?
„Beere, was sagst du dazu?“, fuhr Tiger leise miauend fort.
„Was soll ich schon dazu sagen!“, nur stockend kamen ihr diese Worte über die Lippen und ihre Augen hielt die rostbraune Kätzin immer noch zusammengekniffen.
„Du kannst sagen, dass du diese Gefühle erwiderst“, jetzt war Tigers Stimme ganz nah. Beere öffnete verwirrt die Augen und drehte sich zu ihm um. Tiger sah sie an, mit einem Blick in seinen Augen, der Beeres Herz schneller schlagen ließ.

„Falls du es immer noch nicht begriffen hast, ich liebe dich, du dummer Fellball“, schnurrte Tiger amüsiert. Beere starrte ihn an, die Augen weit aufgerissen und den Mund halb offen.
„Du… liebst… mich? Was ist mit Schimmer?“
„Schimmer? Sie hat mir geholfen, mir über meine Gefühle klar zu werden. Sie ist nur eine Freundin, aber du bist die Katze, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen will. Jeder Tag wird zu einem besonderen Tag, wenn du ihn mit mir teilst!“
Jetzt verstand Beere langsam. Die Freude, die sich in ihrem Herzen ausbreitete, war gewaltig. Sie konnte Tiger nur ansehen, zu überwältigt war sie, um zu sprechen. Stattdessen dachte sie mit aller Kraft an die Worte, die sie so lange zurückgehalten hatte: „Ich liebe dich, Tiger!“
Aber Tiger verstand sie auch so. Dieses Verständnis, die alte Vertrautheit, die plötzlich zwischen ihnen herrschte, berauschte Beere vollkommen. Unendlich lange standen sie so da und sahen einander nur an, dann vergruben sie die Nasen im Pelz des Anderen und Beere sog den Duft ihres Freundes ein. Es war alles gut, Tiger liebte sie und wollte mit ihr zusammen einen Ort finden, an dem sie eine Familie gründen konnten. Vielleicht trafen sie dann auch irgendwann wieder einmal auf die Fuchsfamilie? Aber das Wichtigste war dennoch, dass sie immer zusammen bleiben würden, und gemeinsam allem Kommenden entgegen blicken würden.

Autor: Steffi