Beere findet die erste Spur

Die kleine Katze sucht weiter und findet endlich eine heiße Spur. Aber wieder kommt es anders, als man denkt...

Bald schon schien die Sonne heiß und ununterbrochen auf die Pelze der Katzen und der Füchsin. Da so dicht am Ufer des Flusses keine Bäume mehr standen, bot sich ihnen auch kein schützendes Blätterdach vor der brütenden Hitze.
„Können wir nicht…“, fing Beere erschöpft an, als sie eine kurze Pause machten und gierig Wasser aus dem Fluss tranken.
„Nein, wir müssen am Fluss bleiben! Schließlich wissen wir, dass auch Schlitzohr am Fluss entlang gegangen ist!“, unterbrach sie Langohr sofort. Beere wollte schon erneut protestieren, aber Tiger legte ihr beruhigend den Schwanz um die Schulter und flüsterte: „Die schlimmste Tageszeit, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, haben wir doch schon hinter uns. Jetzt wird es langsam angenehmer!“
Tatsächlich war der Tag schon zur Hälfte vorbei, doch diese Tatsache besänftigte Beere keineswegs. Nur wiederwillig folgte sie der Füchsin mit dem langen, buschigen Schweif und warf immer wieder sehnsüchtige Blicke über die freie Fläche hin zu den Bäumen. Der kleinen, roten Kätzin mit ihrem langem, dichten Fell, machte die Hitze schwer zu schaffen, wohingegen Langohr die Sonne gar nicht zu spüren schien. Sie lief stets mit demselben, flotten Tempo voran und achtete nicht darauf, ob ihre Gefährten ihr folgten. 

Beere versuchte, nicht an die Wärme zu denken und lenkte sich mit Gedanken an ihre Aufrechtgeher ohne Pelz ab. Ob die beiden sie schon suchten? Irgendwie vermisste sie sie, obwohl sie auch das Leben hier im Wald sehr mochte. Ging es Tiger da genauso? Aber ihr Freund war schon immer sehr unabhängig und abenteuerlustig gewesen, wieso sollte er also seine Pelzlosen vermissen? Beere schüttelte den Kopf und sah dann auf den Boden, auf dem sie lief. Unter ihren Pfoten war die Erde hart von der Sonne, die den ganzen Tag darauf gebrannt hatte. Doch während Beere den Untergrund beobachtete, stutzte sie plötzlich. Die harte Erde wies Spuren auf, rechts von ihr, ganz nah am Wasser waren sie am deutlichsten. Neugierig blieb sie stehen und besah sich die Sache genauer. Tatsächlich konnte sie ganz schwach noch Pfotenabdrücke erkennen, von kleinen Pfoten, die den ihren gar nicht so unähnlich, nur etwas kleiner, waren.
„Tiger, Langohr!“, rief sie laut. Die beiden, die schon weiter vorgelaufen waren, ehe sie ihr unvermutetes Stehenbleiben bemerkt hatten, kamen hastig zu ihr an das Ufer und Langohr schnappte überrascht nach Luft: „Meine Jungen!“, rief sie laut aus.
„Ganz eindeutig!“, stimmte Tiger zu und nickte.
„Die Spuren sind nicht älter als einen halben Tag, sie können nicht mehr allzu weit entfernt sein!“ Nach kurzem Mustern der Spuren wusste Tiger Bescheid und sah Beere mit einem aufgeregten Flackern in den Augen an: „Die Jungen müssen hier aus dem Fluss getrunken haben und eine kurze Pause eingelegt haben, vielleicht können wir bald schon ihren Geruch wahrnehmen!“
„Dann lasst uns weitergehen, schnell!“, Langohr stellte die Ohren nach vorne und sprang wie ein Junges davon, ohne auf ihre Kameraden zu warten.
Die beiden Katzen folgten ihr, selbst die Hitze war in der Erwartung, bald Langohrs Junge zu finden, wie weggeblasen.
„Aber wie wollen wir Schlitzohr dazu bringen, uns die Jungen zu übergeben?“, fragte sich Beere. Sie glaubte kaum, dass der Fuchs ihnen seine Jungen ohne einen Kampf überlassen würde, aber bei dem Kampf mit einem ausgewachsenen Fuchs würden sie wohl nicht ohne Verletzungen davon kommen…

Autor: Steffi