Die Herrscherin über Eis und Schnee, Königin der Eulen

Unsere Freunden treffen die Königin der Eulen und bekommen den entscheidenden Hinweis auf die Eltern von Boris

Boris blinzelte unter dem stechenden Blick der schneeweißen Eule und senkte dann den Blick.
„Eure Majestät“, murmelte er leise, woraufhin auch von Wicky ein schüchternes Murmeln kam. Die Königin erwiderte jedoch nichts darauf, sondern musterte die beiden jungen Adler.
„Königin Sera, wenn ihr erlaubt…“, einen der eifrig näher tretenden Wachen brachte sie mit einem Flügelschlag zum Verstummen, dann öffnete sie langsam ihren Schnabel und fragte mit leiser und melodischer Stimme, die doch durch weit drang: „Warum seid ihr hier?“
Wicky sah Boris an und Boris sah Wicky an. Dann brach Wicky das Schweigen, das sich ausgebreitet hatte: „Wir kommen nicht mit feindlicher Absicht“, damit entspannten sich einige der Wachen schon einmal sichtlich und Wicky fuhr fort: „Wir haben erfahren, dass tief im Wald der Eiszapfen hier oben im Norden ein Adlerpaar leben könnte. Nach diesem suchen wir, denn es könnten die Eltern meines Freundes hier sein.“
Boris bewunderte Wickys Art, vor der Königin zu sprechen. Er selbst traute sich kaum, ihren Blick zu erwidern, während Wicky jetzt hoch in die eisblauen Augen den Königin sah, die doch um einiges größer war als sie selbst.
„Sonia und Anso?“, Königin Sera wandte sich nun an Boris, der plötzlich wie magisch von ihrem Blick angezogen wurde und sie zum ersten Mal richtig ansah. Sie war wunderschön, ihr Gefieder glänzte und glitzerte strahlend weiß, weißer als weiß. Er junge Adler konnte seinen Blick gar nicht mehr abwenden und nahm nichts mehr wahr als die Schönheit dieser Königin, die jetzt langsam den Kopf schief legte. „Junger Adler, ich habe dich etwas gefragt!“, ihre Stimme war noch immer sanft und sie schien auch gar nicht verärgert, dass Boris ihr nicht geantwortet hatte, aber dieser beeilte sich jetzt zu sagen: „Ich weiß leider nicht, wie sie heißen, aber es könnten meine Eltern sein.“

Königin Sera nickte und blickte zu dem weißen Euler, der Boris und Wicky hierher geführt hatte. „Rufus, bring bitte unsere jungen Gäste zu dem Wald aus Eiszapfen. Nimm vier deiner Wächter mit und stelle sicher, dass sie ohne Komplikationen die Adler finden und unser Reich anschließend wieder verlassen!“ Boris zuckte zusammen, denn die Warnung, die in den Worten von Königin Sera mitschwang, war überdeutlich zu hören. Er sah seine Freundin an, die noch besorgter als er wirkte.
Die Wache, die Rufus hieß, deutete Boris und Wicky an, wieder durch den engen Tunnel zu schlüpfen, doch davor verneigten sie sich alle vor der Königin des Nordens. Rufus winkte einigen Wachen zu, die sich aus der schneeweißen Masse lösten und sich dicht hinter ihnen hielten.
Boris war froh, als sie wieder unter dem schützenden Dach des Tannenbaumes angekommen war, doch Rufus machte keine Anstalten, das Ende der Nacht abzuwarten.
„Sie werden euch nichts tun, solange wir bei euch sind“, erklärte er mit einer tiefen Stimme. Und wieder sahen sich die zwei Jungadler an, denn auch in Rufus‘ Worten war die Drohung nicht zu überhören. Wenn sie sich von den Wachen entfernten, würden die Eulen sie angreifen. Boris seufzte. „Ich hoffe, meine Eltern sind auch wirklich im Wald aus Eiszapfen“, dachte er hoffnungsvoll. Wenn nicht, war die Reise hier hinauf in den Norden sinnlos und brachte sie nur unnötig in Gefahr.

Autor: Steffi