Der Damm am Wasser und das Treffen mit dem Biber

Die Suche nach dem Wasser geht weiter und die Katzen finden einen Damm, der vom Biber bewohnt wird.

Es war zum Verrücktwerden. Beere hasste sich für die Gefühle, die in ihr hochkrochen, jedes Mal wenn sie Tiger und Schimmer ansah. Doch die Beiden schienen nicht zu merken, wie sehr sie die Nähe zwischen ihnen verletzte. Der Tigerkater und die hellgraue Katze liefen stets Seite an Seite und nahmen keine Rücksicht auf Beere, der langsam die Pfoten wehtaten. Sie war allerdings zu stolz, um sie um eine Pause zu beten, und lief deshalb weiter, egal wie anstrengend es wurde.
Als die Sonne gerade hinter den Bäumen verschwunden war, hörte Beere plötzlich ein unvermutetes Geräusch. Sie brauchte einen Moment, um herauszufinden, was es war, dann erkannte sie das Rauschen von Wasser. Sie wollte gerade den anderen beiden zurufen, was sie entdeckt hatte, als Schimmer laut und begeistert ausrief: „Wasser!“ Ehe Tiger oder Beere auch nur einen weiteren Schritt machen konnten, stürmte Schimmer voran und warf sich in den Fluss. Beere trottete vor und stellte sich neben Tiger, dessen Blick allerdings ausnahmsweise nicht auf die hübsche Wasserkatze gerichtet war. Stattdessen betrachtete er irritiert die Ansammlung von Ästen, Baumrinden und Stöcken, die eine Art Verstopfung bildeten. Das Wasser staute sich vor dem Wall aus Ästen auf und hatte keine Möglichkeit, weiter zu fließen.
„Deshalb ist das Wasser weg!“, rief Beere verblüfft. Wie kam irgendjemand nur auf die Idee, das Wasser auf diese Art aufzuhalten?

„Was geht hier vor sich?“, die schneidende Stimme erklang von irgendwo zwischen den Ästen hervor. Tiger sah Beere an und zu ihrer Überraschung sah sie Angst in den Bernsteinaugen des Katers aufblitzen. Ihr selbst war ebenfalls mulmig zumute, denn die Stimme klang tief und heiser, so als gehörte sie zu einem riesigen Tier.
Atemlos starrten die zwei Katzen auf den Wall, der sich langsam hob. Plötzlich erschien eine braune Nase, dann ein kleines, behaartes Gesicht und schließlich das ganze, langhaarige Tier. Beere stieß einen Laut der Überraschung aus, denn das braune Tier war nicht einmal halb so groß wie sie. Es einen langen, nassen Pelz und einen breiten, platten Schwanz und sah jetzt missmutig zwischen den Katzen hin und her.
„Was wollt ihr hier? Wenn ihr mich besuchen wollt, kündigt euch vorher an! Ich bin absolut nicht vorbereitet auf Besuch und muss mich noch frischmachen!“, knurrte er.
„Wer bist du? Was machst du hier? Warum verstopfst du das Wasser?“ – so viele Fragen gingen Beere durch den Kopf, sodass sie nicht wusste, was sie als Erstes fragen sollte.
„Guten Tag. Wie heißt du?“, fragte Tiger höflich und senkte den Kopf. Der Bewohner des Walls schmatzte missmutig und kam auf seinen kleinen Beinen etwas näher.
„Ich hasse Besuch. Könnt ihr nicht verschwinden?“, murmelte er, dann fügte er jedoch hinzu: „Wenn ihr bekommen seid, um meinen außerordentlich schönen Bau zu bewundern, seid ihr herzlich willkommen. Meine zukünftige Frau wird in wenigen Tagen eintreffen und sie wird begeistert sein über die Fortschritte, die ich in ihrer Abwesenheit erzielt habe. Eigentlich hatte ich ja geplant, den Bau nur über die Hälfte des Flusses anzulegen, aber so ist es doch viel praktischer und geräumig für unseren vielen kleinen Junge im nächsten Jahr.“
„Das ist ein Biber“, raunte Tiger der rostbraunen Kätzin zu, die verständnislos den Kopf schüttelte. Sie hatte keine Ahnung, was ein Biber war, aber Tiger entspannte sich jetzt sichtlich – offenbar war ein Biber nicht so gefährlich.
Nach einer kurzen Pause setzte Tiger vorsichtig an: „Herr Biber, es gibt da jetzt ein kleines Problem…“

Autor: Steffi