Das Christkind

Unser kleines Rehkitz Flocke hilft in der aktuellen Folge unserer Weihnachtsgeschichte dem Christkind

Die Nacht war still und friedlich. Der Mond strahlte hell und klar am Himmel und die Sterne funkelten. Für das Christkind war diese Nacht perfekt, um die Geschenke zu verteilen. Die Engelsschar flog lautlos über die Wälder und hielt dann bei einer Lichtung, wo einige Tierfamilien lebten. Die vielen kleinen Hände hatten bald flink die Geschenke verteilt und kleine Lichter in den Tannenbäumen rings um verteilt. Sie verrichteten ihre Arbeit gerne und sangen dabei leise vor sich hin.

Mit einem Mal schreckte Flocke auf. Sie drehte ein Ohr zum Ausgang der kleinen Höhle, in der sie mit ihrer Mutter schlief und blinzelte verwundert. Hatte sie da draußen nicht gerade etwas gehört? Das Rehkitz lauschte neugierig, und ganz leise konnte sie einen Singsang vernehmen. Neugierig stand sie auf, vorsichtig, um die Mutter nicht zu wecken, und schlich zum Ausgang. Dann streckte sie vorsichtig ihren Kopf hinaus und blinzelte, um in der dunklen Nacht etwas sehen zu können. Doch das wäre nicht notwendig gewesen, denn die Lichtung erstrahlte in merkwürdig hellem Licht. Als sich Flockes Augen an das Licht gewöhnt hatten, sah sie etwas, dass ihr den Atem stocken ließ. Mitten auf der Lichtung schwebte ein Engel, und um diesen herum noch viele weitere, etwas kleinere Engel, die eifrig dabei waren, die Tannen und Sträucher zu schmücken. „Das Christkind!“, flüsterte Flocke tonlos und schlich näher heran. Einige Zeit beobachtete sie das Treiben nur sprachlos, dann wollte sie ganz nah am Geschehen sein und schlich sich hinter einer Tanne vorwärts. Dabei stolperte das Rehkitz jedoch und stieß mit einem Huf gegen einen Strauch, der unter ihrem Gewicht nachgab und seinen Schnee geräuschlos auf die Erde warf. Plötzlich war es mucksmäuschenstill auf der Lichtung. Flocke stand stock und steif hinter der Tanne und wagte nicht zu atmen, während die Engel innehielten und sich fragten, was den Strauch bewegt hatte.
„Komm heraus!“, erklang eine leise, melodische Stimme. Vorsichtig streckte Flocke ihren Kopf hinter der Tanne hervor und sah schüchtern zu Boden.

„Es tut mir Leid!“, flüsterte sie.
„Das muss dir doch nicht leidtun!“, das Christkind lief bloßfüßig durch den Schnee auf das Rehkitz zu und streichelte Flocke über den Kopf. „Neugierde ist keine Schande.“, flüsterte es und lächelte.
„Aber wenn du schon einmal hier bist, kannst du uns auch helfen. Wir suchen noch eine Tanne, unter die wir die Geschenke legen können.“
Flocke machte große Augen, sie sollte dem Christkind helfen? Mit Feuereifer stürzte sie sich in die Suche. Sie fand auch bald eine Tanne, die ihrer Meinung nach geeignet war. Der Baum war etwas größer als Flocke selbst und hatte schöne, grüne Nadeln und außerdem stand er ziemlich in der Mitte und war von allen Seiten recht gut zu sehen. „Hier?“, fragte Flocke schüchtern und deutete auf ihren Baum.
Das Christkind begutachtete den Baum von allen Seiten, dann nickte es und winkte einigen Engeln.
„Die Tanne ist perfekt!“
Flocke strahlte und ihr wurde ganz warm. Sie half mit, befestigte Äpfel, die mit Glitzer bestäubt waren, und anderes auf den Ästen der Tanne und schließlich legten die Engel auch die Geschenke für Familie Dachs, Familie Kuckuck und auch für Familie Reh unter den Baum. Flocke trat einen Schritt zurück und bewunderte den Baum, der wunderschön hell und bunt strahlte und auch das Christkind nickte zufrieden.
„Vielen Danke für deine Hilfe, Flocke! Jetzt müssen wir aber weiter, ich bin mit dem Weihnachtsmann verabredet, er wollte uns Leckereien vom Nordpol mitnehmen. Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr wieder, Flocke! Aber erzähl keinem, dass du uns gesehen hast, das bleibt unser Geheimnis!“ Das Christkind beugte sich hinab und umarmte Flocke, dann legte es dem Rehkitz einen warmen Schal um den Hals und lächelte. „Frohe Weihnachten, kleine Flocke!“
Flocke sah zu, wie sich die Engelsschar in den Himmel erhob und langsam außer Sichtweite flog. Dann stand sie noch einige Zeit auf der Stelle, bewunderte die geschmückte Lichtung und den Schal, dem Geschenk des Christkindes.
„Also ist Mamas Geschichte wahr!“, dachte sie glücklich und lief in die Höhle zurück, um vom Christkind zu träumen. Diese Nacht würde Flocke nie vergessen…

Autor: Steffi