Ein anderer Plan - Die Suche hat ein Ende

Nachdem die beiden Fuchsjungen gefunden wurden findet unsere Geschichte schließlich ein Happy-End

Jetzt geschah alles sehr schnell. Schlitzohr stand am Rand der Senke und blickte auf sie hinab, er rührte sich kaum. Langohr drängte ihre Jungen zurück und verbarg sie hinter ihrem Schwanz, dann richtete sie sich auf und sah ihren ehemaligen Gefährten aus zusammengekniffenen Augen an. Plötzlich streifte Fell die rotbraune Katze und Tiger war neben ihr aufgetaucht. Er atmete heftig und hatte die Krallen kampfbereit ausgefahren, doch Schlitzohr sah nicht so aus, als würde er gleich angreifen.
„Langohr, bitte hör mir zu!“, sagte er. Beere blickte ihn verwundert an, denn seine Stimme war viel weicher, als sie es angenommen hatte.
„Wieso sollte ich dir zuhören, Schlitzohr?“, zischte Langohr wütend und fauchte. Ihre beiden Jungen lugten mit großen Augen hinter ihrem buschigen Schwanz hervor, sie verstanden offenbar nicht, was hier vor sich ging.
„Du musst mich anhören, Langohr! Ich wollte unseren Jungen nichts Böses!“, jetzt klang der Fuchs beinahe flehentlich. Er kam langsam die Senke hinab, dabei behielt er immer Langohr im Blick. Langsam fragte sich Beere, was der Fuchsrüde für einen Plan hatte. 

„Wenn du auch nur einen Schritt näher kommst…“, zischte  Langohr. Sie drängte Langschweif und Kurzschweif zurück, dann kauerte sie sich nieder und stieß ein bedrohliches Knurren aus.
„Wie sollte ich dich denn sonst dazu bringen, mit mir zu reden? Du hast mich doch nicht einmal angesehen!“
„Ach ja? Und deshalb stiehlst du einfach meine Jungen?“, ihre Stimme wurde langsam lauter und Beere lief ein Schauer über den Rücken.
„Es sind unsere Jungen! Und ich habe sie nicht gestohlen! Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihr Vater ist!“, Schlitzohr senkte den Kopf ein wenig, dann warf er Beere und Tiger einen kurzen Blick zu. „Ich wusste, dass du ihre Spur verfolgen würdest. Nur so sah ich eine Möglichkeit, mit dir zu reden.“

Verwundert blickte die rotbraune Kätzin von einem Fuchs zum Anderen. Sie wollte schon etwas sagen, aber Tiger legte ihr den Schwanz auf die Schultern und schüttelte den Kopf. Also schloss Beere ihren Mund wieder und wartete still ab, was als Nächstes geschehen würde.
„Das erscheint mir ein bisschen viel Aufwand, nur um mit mir zu reden“, Langohrs Stimme war spöttisch, doch sie war nicht mehr so feindselig wie zuvor. Der Fuchsrüde, der um fast einen Kopf größer war als sie, kam noch einen Schritt näher und sagte dann etwas leiser: „Hör bitte nur zu was ich dir zu sagen habe.“
Langohr sagte nichts, sie sah Schlitzohr nur an, der zögerlich anfing: „In dem Moment, da wir uns am Mohnfeld getroffen haben, hat sich mein ganzes Leben verändert. Du hast mein Leben verändert. Ich habe mich in dich verliebt, an diesem Tag. Langohr, ich liebe dich! Ist das so schwer zu begreifen?“
Langohr riss die Augen vor Überraschung auf und ihre beiden Katzenfreunde taten es ihr nach. Diese Wendung hatte niemand erwartet.
„Warum habe ich immer wieder versucht, mit dir zu reden? Warum habe ich, nur um dir das zu sagen, mit Kurzschweif und Langschweif einen so weiten Weg zurückgelegt?“, Schlitzohrs Augen funkelten jetzt und endlich erkannte Beere die Liebe, die in seinen Augen glomm.
„Ist das wahr?“, flüsterte Langohr mit großen Augen.
„Ja, natürlich!“, vorsichtig kam Schlitzohr näher und legte seinen Kopf an den ihren.
„Ich liebe dich, Langohr!“, flüsterte er erneut.

Autor: Steffi