Beere und Ihr Abenteuer am Fluss

Unsere kleine Katze setzt ihre abenteuerliche Reise fort und trifft auf einen Fluss, der ein großes Hindernis darstellt.

Die drei Gefährten rannten schneller, immer schneller liefen sie Seite an Seite. Das ferne Rauschen des Baches, das stetig näher kam, beflügelte  und trieb sie vorwärts, während sich die Abenddämmerung allmählich über den Wald senkte.
„Beeilt euch, wir wollen den Bach noch vor dem Einbruch der Nacht erreichen!“, drängte Tiger und setzte sich an die Spitze. Leichtfüßig sprang er über niedrige Büsche und Äste, doch Beere konnte schon langsam nicht mehr. Ihre Pfoten schmerzten und die Kehle brannte ihr, doch gerade als sie um eine Pause beten wollte, sah sie weiter vorne ein blaues Blitzen. Tiger lief genau darauf zu und Beere nahm ihre letzten Kraftreserven zusammen und folgte dem Kater und der Füchsin.
Der Bach war in Wirklichkeit ein breiter, seichter Fluss, der dank der heftigen Regenfälle der letzten Tage Hochwasser führte. Er schäumte und weit und breit war kein Baumstamm oder etwas anderes zu sehen, mit dessen Hilfe sie den Fluss überqueren konnten.
„Ich kann Schlitzohr oder meine jungen nicht riechen, der Geruch des Wassers ist zu stark!“, erklärte Langohr und hob die Schnauze hoch in die Luft. „Sicherlich haben sie die Seite gewechselt, denn vor drei Tagen hatte der Fluss viel weniger Wasser geführt“, fügte sie hinzu.

„Da schwimmen sogar Fische im Wasser“, stellte Tiger verblüfft fest. Beere  trat zu ihm ans Ufer und sah in die blauen Fluten. Tatsächlich konnte sie im Wasser schwarze Schatten erkennen, die blitzschnell umher schwammen.
Plötzlich war ein lautes Platschen zu hören: Langohr hatte sich in den Fluss gleiten lassen. Einen Moment lang war sie verschwunden, dann tauchte ihr hellroter Kopf wieder auf und sie begann, mit kräftigen Bewegungen an das andere Ufer zu strampeln.
„Müssen wir wirklich…?“, fragte Beere. Sie hatte nie gelernt, zu schwimmen, und zitterte schon bei dem Gedanken daran. Es sah zwar nicht schwer aus, aber wenn sich ihr Pelz mit Wasser vollsog und sie nach unter zog…
„Bleib dicht bei mir, ich pass auf dich auf!“, Tiger drückte sich kurz an sie, dann sprang auch er in die Fluten. Beeres Herz klopfte rasend schnell, als sie ihm zögernd nachsprang. Sie ging sofort unter und bemerkte, wie ihr Pelz das Wasser aufnahm. Wie wild strampelte sie mit den Beinen und schaffte es, den Kopf für eine Sekunde aus dem Wasser zu strecken, um keuchend Luft zu holen, dann ging sie erneut unter. Im dunklen Wasser konnte sie nichts sehen und wusste nicht, in welche Richtung sie schwimmen musste, deshalb strampelte sie einfach drauflos und kämpfte sich erneut an die Oberfläche. Doch als sie nach Atem rang, schwappte eine Welle über ihr zusammen und sie schluckte Wasser. Hustend verbrauchte sie das letzte bisschen Luft und wurde nach unten gezogen. „Es ist aus“, dachte sie. Sie hatte keine Kraft mehr, um weiter zu kämpfen, ihr langer Pelz war zu schwer.
Jäh spürte sie etwas Scharfes in ihrem Nacken und plötzlich wurde sie nach oben gewirbelt. Ihr Kopf durchbrach die Wasseroberfläche und sie konnte kühle, saubere Luft einatmen. Aus den Augenwinkeln sah sie einen gestreiften Kopf, Tiger hatte sie im Nacken gepackt und hielt sie über Wasser. Er hatte den Dreh raus und bald schon erreichten sie das andere Ufer. Erschöpft ließ Tiger seine Freundin los und beide plumpsten ins Gras, wo sie liegen blieben.
„Ich würde sage, wir bleiben hier und reisen morgen weiter“, verkündete Langohr und legte sich ebenfalls entkräftet zu den beiden anderen fallen, wo sie alle drei auf der Stelle einschliefen.

Autor: Steffi