Weihnachten mit Pferd - Wie wird gefeiert?

Pferde kennen keinen Unterschied zwischen Weihnachten und normalen Tagen, sie wollen versorgt und geritten werden.

Natürlich, Weihnachten ist vermutlich das schönste Fest im Jahr, da möchte man das auch mit seinen vierbeinigen Freunden feiern. Aber wie vertragen sich die Fluchttiere und der laute Weihnachtstrubel? Ich persönlich fahre am Weihnachtstag wie an jedem anderen Tag zum Pferd, reite und versorge es – vielleicht bekommt es ein paar Karotten mehr, weil ja Weihnachten ist – aber etwas Besonderes oder Außergewöhnliches unternehme ich kaum. Das Pferd weiß ja schließlich gar nicht, dass die Weihnachtszeit in vollem Gange ist, oder was Weihnachten überhaupt bedeutet. Es ist eine Erfindung der Menschen und deshalb denke ich, dass Pferden dieses Fest schnuppe ist, wenn nicht die weihnachtlich gestimmten Herrchen und Frauchen so viel Trallala darum machen würden.

Weihnachtsfeier im Stall

In beinahe jedem Stall gibt es eine Weihnachtsfeier, Weihnachtsausritte, Weihnachtsvorführungen, Weihnachtsturniere – einfach alles. Für die Schulpferdreiter und auch für viele, die ein eigenes Pferd besitzen, sind die Aufführungen gegen Jahresende immer ein heiß ersehntes Event. Wochenlang wird geprobt, nach passender Musik gesucht oder Verkleidungen gebastelt. Letzteres gestaltet sich erfahrungsgemäß als besonders schwierig, denn man möchte ja etwas Neues, noch nie dagewesenes machen, wofür dann oft auch die kreativen Omis und Mamis zusammengetrommelt werden, die sich ans Nähen und Basteln machen dürfen. Wie denn auch aufwendige Verkleidungen an den Kindern anbringen, die so dick eingepackt in mehreren Schichten und Jacken ohnehin schon als Schneemänner durchgehen könnten? Und wie den Pferden Lametta, Rentiergeweihe, Weihnachtsmützen oder Glöckchen anhängen, ohne dass sie vor Schreck in die Luft gehen? Am Tag der Aufführungen dann haben alle Kinder die gesamte Verwandtschaft im Schlepptau und können vor lauter Nervosität kaum die Zügel in der Hand halten. Dass die Pferde dann Nervenstärke beweisen und die einstudierte Aufgabe mehr oder weniger ohne Patzer ablaufen – darüber wundere ich mich jedes Jahr aufs Neue. Nach den Aufführungen werden Punsch und Tee ausgeschenkt um die gefrorenen Zuschauer wieder aufzutauen und man begibt sich ins Stüberl, um laut zu quatschen und zu lachen. Ja, es hat schon etwas, so eine Weihnachtsfeier im Stall, auch wenn die Pferde eher weniger davon haben und nach so einem Tag voller Trubel wohl ganz froh sind, wenn alles still wird.



Weihnachtsausritte als Alternative

Oft finden am letzten Adventsonntag oder um den Nikolaustag herum Weihnachtsausritte statt, eine herrliche Möglichkeit, all die anderen Einsteller kennen zu lernen, die man sonst nur knapp grüßt. In der vorweihnachtlichen Heiterkeit kommt man sich dann doch näher und wenn es nicht so kalt ist, dass man nur mit Zittern beschäftigt ist, sind sogar Unterhaltungen möglich. Am schönsten sind diese Weihnachtsausritte natürlich, wenn das Wetter mitspielt und flaumiger Schnee die Weisen bedeckt. Aber bei unserem Wetter kann man sich darauf nur verlassen, wenn man sich auch in einer gewissen Höhe befindet. Alles in allem sind gemeinschaftliche Ausritte des ganzen Stalles eine feine Sache, wobei man solche Events ja auch ohne dem weihnachtlichen Beigeschmack veranstalten kann und besonders bei angenehmeren Temperaturen.

Weihnachtsmütze für das Pferd?

Und was machen Pferde mit Weihnachtsmann-Mützen, Rentiergeweihen und sogar Decken in Rot-Weiß oder mit Weihnachtsmuster? Natürlich, alles ist nett und schön anzusehen, aber die Pferde haben nichts davon. Nur wir Menschen erfreuen uns daran, denken „Oh wie süß!“ und „Mein Gott, wie herzig!“. Wer Geld, Zeit und Nerven für diesen meiner Meinung nach unnützen Schnickschnack ausgeben will, so soll er es doch machen. Wobei ich mir denke, eine Decke, die auch den ganzen Winter über benutzbar bleibt und nicht nach dem 25. Dezember wieder für elf Monate in den dunklen Keller verschwindet, sinnvoller wäre. Statt Geld für lustige Weihnachtssouvenirs auszugeben, könnte man es vernünftig zur Seite legen, um beispielsweise für Tierarztkosten oder einen neuen Sattel gerüstet zu sein.

Mein Fazit: Der Weihnachtstrubel und -stress gehört nicht in den Pferdestall. Solange Aufführungen, Ausritte oder Feiern für das Pferd stressfrei bleiben, sind sie meiner Meinung nach kein Problem. Über so viel Vernunft sollten Pferdebesitzer verfügen, dass sie gerade in der hektischen Vorweihnachtszeit auch an ihre Vierbeiner denken.