Teil 2 - Checkliste fürs perfekte Turnier

Fortsetzung unserer Checkliste für die Vorbereitungen auf das erste Reitturnier

5. Vorbereitungen am Turniertag

Bald genug Schlafengehen am Tag vor der Prüfung! Nichts ist schlimmer als morgens übelgelaunt und unausgeschlafen in den Stall zu gehen, außerdem wird sich diese Laune auch auf das Pferd übertragen. Die Mähne kann man schon am Vortag einflechten, je nachdem wie gut sie über Nacht hält. Meistens nimmt das Einflechten oder auch Einnähen nämlich sehr viel Zeit in Anspruch, die man nicht unbedingt entbehrt, wenn das Turnier schon früh morgens beginnt. Wenn man doch erst am Morgen einflechtet, lohnt es sich, dies vorher schon geübt zu haben. Außerdem ist es hilfreich, die Familie oder gute Freunde dabei zu haben als Helfer oder „TT“, „Turniertrottel“, der einige Arbeit abnehmen kann und auch zur mentalen Unterstützung da ist. Ein gutes Frühstück sowohl für Pferd als auch für Reiter ist ebenso wichtig und natürlich das rechtzeitige Abfahren. Spätestens eineinhalb Stunden vor dem Prüfungsbeginn sollte man vor Ort sein, denn oft verschiebt sich die Prüfung auch ein Stück nach vorne. Eine Stunde Zeit sollte man auch im eigenen Stall einplanen zum Putzen, Vorbereiten und Verladen. Denn meist machen sich die Pferde genau in der Nacht vor dem Turnier besonders schmutzig, oder die Frisur hat sich doch noch gelöst, oder das Pferd weigert sich genau an diesem Tag, in den Hänger zu gehen.

6. Abreiten

Vermutlich das wichtigste vor der Prüfung: das Abreiten. Wie lange und wie viel man das Pferd vor der Prüfung abreitet, hängt ganz vom Temperament, der Nervosität und der Laune ab. Ich kenne so manches Pferd, das am Turniertag zum nervösen Nervenbündel wird und erstmal eine Stunde auf dem Abreiteplatz laufen muss, ehe es sich entspannt. Bei anderen Pferden genügen zehn bis fünfzehn Minuten. Man sollte auf jeden Fall genug Zeit dafür einplanen: Zuerst ein lockeres Warmreiten im Schritt und Trab, dann je nach Pferd einige Zeit um Anlehnung und ordentliche Versammlung zu schaffen. Außerdem ist es gut, auf beiden Seiten zumindest ein paar Runden zu Galoppieren, auch um eventuelle Lahmheiten festzustellen und die Freudenbuckler oder „narrischen fünf Minuten“ loszuwerden, die manche Pferde so aus dem Nichts überkommen können. Manche Reiter gehen dann auch noch einige der schwierigeren Lektionen der Aufgabe durch, und andere meinen, die gesamte Aufgabe noch einmal Reiten zu müssen. Von Letzterem halte ich allerdings nichts, denn meistens ist sowieso kein Platz auf den Abreiteplätzen, und eventuelle Fehler oder Ungehorsamkeiten überträgt man häufig dann auch auf die Aufgabe. In den letzten Minuten vor der Prüfung empfiehlt sich ein lockeres Schrittreiten, damit man dann bestens vorbereitet in die Aufgabe starten kann.


7. Nervosität

Klar, jeder ist vor der ersten Prüfung nervös, doch man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass sich diese Nervosität auch auf das Pferd überträgt. Außerdem denke ich mir immer, dass bei den Turnieren Spaß und Harmonie zwischen Pferd und Reiter im Vordergrund stehen sollten. Leider sehe ich häufig verbissene Reiter, die nur auf Erfolg aus sind und dabei schnell über das Ziel hinausschießen. Erst letztes Wochenende konnte ich eine Reiterin beobachten, deren Pferd im Dressurviereck vor einer Ecke gescheut hat. Egal, wie sie es probierte, das Pferd hatte in dieser Ecke panische Angst und wollte partout nicht vorbeigehen. In so einer Situation ist es einfach sicherer, die Prüfung abzubrechen, ehe man sich, das Pferd oder andere gefährdet. Turniere sollen, gerade für Amateure und Freizeitreiter, Spaß machen und nicht am Gewinnen festgemacht sein. Natürlich ist es schön, wenn man ein Schleifchen mit nach Hause nehmen kann, aber erzwungen sollte nichts werden. Das ist am wenigsten fair dem Pferd gegenüber. In diesem Sinne ist Nervosität auch nicht notwendig. Reiten soll Spaß machen und dies sollte man auch den Zuschauern und den Richtern zeigen, und nicht einen verkrampften, blassen Blick.

8. Bewertung und Platzierung

In den niedrigeren Klassen benoten die Richter jede Vorstellung mit Wertnoten von 0 – 10, wobei man mit einer geringeren Wertnote als 4 ausscheidet. Es gibt Richter, die strenger benoten als andere, doch pauschal kann man sagen, dass Wertnoten zwischen 5,5 und 6,5 am Häufigsten vergeben werden. Je höher die Klasse, desto strenger wird auch bewertet. Eine Dressurprüfung der Klasse A oder L gewinnt man normalerweise mit Wertnoten um 7,0 herum. In den höheren Klassen werden pro Richter Punkte vergeben, die schlussendlich eine Prozentzahl ergeben, wobei auch hier der Bereich um 65 – 75 Prozent für eine Platzierung oder einen Sieg reicht.

Je nach Veranstalter werden meisten ein Viertel der Teilnehmer platziert, bekommen eine Schleife und die erstplatzierten manchmal auch einen Pokal oder Sachpreise wie eine Decke, Halfter oder Fliegenhaube. Je höher und angesehener das Turnier, desto wertvoller auch die Preise, und wichtige nationale oder internationale Turnier sind auch mit hohen Preisgeldern versehen, ein zusätzlicher Ansporn, um den Wettbewerb- und Siegeshunger der Reiter voranzutreiben…