Turnierreiten - Es gibt kein Schwarz oder Weiß

Sind Turnierreiter die schwarzen Schafe unter den Pferdehaltern, oder haben sie diesen Ruf zu Unrecht?

Leistung steht in der heutigen Welt über allem. Leistung im Beruf, Leistung im Hobby, Leistung im Sport. Und natürlich: Leistung im Pferdesport. Die Kluft zwischen Freizeitreitern und Turnierreitern wird immer größer. Es ginge den Turnierjunkies nur um Platzierungen, Ansehen und Leistung anstatt um das Wohl des Pferdes und den Spaß an der Sache, meinen viele Freizeitreiter. Turnierreiter verteidigen sich vehement, doch ein wahrer Kern steckt dennoch dahinter.

Es sind nicht alle Turnierreiter und schon gar nicht nur Turnierreiter, die ungerecht zu ihren Pferden sind, dopen oder mit scharfen und harten Methoden reiten. Aber Turnierreiter stehen nun einmal im Rampenlicht, und wenn ein international bekannter Turnierreiter einen Skandal verursacht, erregt das viel mehr Aufmerksamkeit als wenn es Nachbar Hugo wäre.

Es wird viel verallgemeinert

Andererseits halten auch viele Freizeitreiter Pferde ohne den richtigen Umgang zu kennen und zu wissen, was gut für die Vierbeiner ist. Doch solche, die sich dann auch gerne als „Pferdemenschen“ darstellen, kommen normalerweise nicht zu nationaler oder internationaler Presse und ihre Pferde leiden still vor sich hin, ohne dass Tierschützer und andere Organisationen gegen die Besitzer wetteifern.

In Wahrheit gibt es kein schwarz oder weiß. Leider verallgemeinern viele, sowohl Freizeitreiter als auch Turnierreiter, die schlechten Beispiele. So heißt es, dass ALLE Turnierreiter Rollkur reiten, dass ALLE Freizeitreiter die Gesundheit ihrer Pferde durch ihr mangelndes Wissen gefährden, dass ALLE Turnierreiter dopen, dass ALLE Pferde von Freizeitreitern falsch oder kaum ausgebildet sind und vieles mehr.



Schwarz? Man wird wohl kaum einen Reiter finden, der es wirklich böse mit seinem Pferd meint. Wenn es solche REITER (ja, ich sage bewusst Reiter, denn damit sind keine Tierquäler eingeschlossen, die Tiere/ Pferde zum Vergnügen quälen) doch gibt, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren, aber würde ein solcher dann überhaupt reiten?

Weiß? Wer weiß schon wirklich hundertprozentig, was gut für sein Pferd ist? Bevor jemand nun schon die Hand zum Himmel streckt: Wer kann wirklich in den Kopf eines Pferdes sehen? Wer beherrscht die Fähigkeit des Gedankenlesens so perfekt, dass er in jeder Situation genau auf die individuellen Bedürfnisse eines Pferdes eingehen kann? Ich will nicht bestreiten, dass es Leute gibt, die sich darum bemühen. Das tue ich auch und das sollte jeder Pferdebesitzer tun. Aber wir können nicht in die Köpfe der Pferde sehen. Wir können uns bemühen, unseren vierbeinigen Gefährten ein schönes Leben zu geben – was dann wirklich richtig ist, können wir nicht wissen.

Haben Turnierreiter Vorbildfunktion?

Die Grautöne sind hässlich, und sie finden sich sowohl bei Turnier- als auch bei Freizeitreitern. Dennoch, und das ist meine persönliche Meinung, bin ich kein Fan vom Turniersport. Vieles, was in internationalen Reitbahnen geschieht, sollte nicht so sein. Schon gar nicht, da Turnierreiter auch eine Vorbildfunktion haben. Viele Zuschauer kennen nichts anderes oder denken, dass das was aufgeklärten Reitern die Haare zu Berge stehen lässt, normal sei. Woher sollen diese Zuschauer denn wissen, was richtig und falsch ist? Sie jubeln nach einer Dressur im klassischen Rollkurstil auf und staunen, wenn Pferde dank Doping noch schneller sind als alle anderen. Sie wissen nicht, welche verheerenden Wirkungen solche Methoden auf die Gesundheit und die Psyche des Pferdes haben. Es wäre die Aufgabe von Richtern, diese Reiter zu disqualifizieren oder auszuschließen, nur leider passiert das viel zu selten. Das ist weder den Pferden über fair, noch anderen Reitern, die sich um das Wohlergehen der Pferde mehr sorgen als um Leistung. Und auch den Zuschauern und Freizeitreitern gegenüber ist es nicht fair, da diese ja nicht wissen, dass dies schlechte Methoden sind.

Fairness sollte eines der wichtigsten Wörter im Pferdesport sein. Fairness gegenüber Leistung, und solchen, die mehr leisten können. Fairness gegenüber anderen Reitern. Fairness gegenüber den Pferden, die unsere geduldigen Gefährten sind und denen wir Menschen Fairness schulden.