Ausritt im Schulbetrieb

Der Ausritt im Schulbetrieb ist ein besonderes Erlebnis für den Schüler. Lesen Sie, auf was Sie achten sollten.

Vor ein paar Jahren, als ich noch im Schulbetrieb geritten bin, gab es dort ein junges Schulpferd, der mein absoluter Liebling war. Canducci hieß er, der freche und schreckhafte Haflinger. An einem warmen Maitag war es dann auch soweit, dass ich das erste Mal bei einem Ausritt mit Canducci mitgehen durfte. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich schon früher ausgeritten bin, aber mit Canducci war es dann schon etwas Besonderes. An diesem Tag putzte ich ihn besonders ausgiebig und flüsterte ihm in sein semmelfarbenes Ohr, er solle ganz brav sein. Ich wusste, dass ich da viel von ihm verlangte, denn er war noch recht jung und sehr schreckhaft. Für ihn war es der erste Ausritt im Schulbetrieb, zuvor war er erst ein paar Mal mit den Reitlehrern im Gelände gewesen, noch nie aber von einem Reitschüler.
Mit mir waren wir sechs Reitschülerinnen, und zwei unserer Reitlehrer sollten uns begleiten. Da auf dem Hof im Gelände Rückenschutzpflicht herrschte, hatten wir alle Rückenprotektoren dabei, außerdem natürlich unsere Helme, Handschuhe und Gerten. Die Pferde wurden gesattelt und aufgetrenst, dann marschierten wir auf den Rietplatz, stellten uns auf der Mittellinie auf und stiegen auf die Pferde. Auch unserer Reitlehrer kamen jetzt und nachdem sie bei jedem kontrolliert hatten, ob die Sattelgurte auch ordentlich fest waren, die Steigbügel drei Löcher kürzer als normal gestellt waren und wir alle auch wirklich ausreiten wollten, stiegen auch sie auf. Dann reihten wir uns in der zuvor ausgemachten Reihenfolge hintereinander ein und gingen noch zwei Runden auf jeder Seite auf dem Platz. 



„Alle bereit?“, rief meine Reitlehrerin dann von hinten. Alle antworteten wir mit Ja, also grinste sie und verließ den Platz. Mein Herz schlug mittlerweile sehr laut, als die Pferdehufe über den Asphalt klackerten, bis wir das Feld betraten. Es war sonnig und warm und die Pferde alle entspannt. Ich bemühte mich ebenfalls, mich zu entspannen, denn Canducci war immer schon sehr feinfühlig gewesen und spürte, wenn ich verkrampft war. Wir gingen zuerst etwas zehn Minuten im Schritt an einem Fluss entlang. Immer wieder blickte die Reitlehrerin nach hinten, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war. Die zweite Reitlehrerin bildete den Schluss der Abteilung, und passte auf, dass niemand zurückfiel.
Dann, als sich die Reitlehrerin wieder einmal umdrehte, rief sie uns zu: „Wollt ihr Traben?“
„Ja!“, kam die einstimmige Antwort. „Okay, wenn ich meine Hand ausstrecke, geht’s los.“ Sie erinnerte uns noch einmal daran, dass niemand jemand anderen überholen durfte und wir in einer Reihe bleiben sollte, dann trieb sie ihr Pferd an und streckte gleichzeitig die Hand nach oben. Wir trabten alle an und ich war froh, dass Canducci so ruhig blieb, und keine Anstalten machte, das vordere Pferd zu überholen. Wir trabten einige Minuten, dann kamen wir zu einer kleinen Brücke und nach einem erneuten Handzeichen parierten wir unsere Pferde wieder durch.
„Wir müssen die Pferde über die Brücke führen!“, erklärte unsere Reitlehrerin uns. Eine Straße führte über die Brücke, weshalb ich mir ziemliche Sorgen machte, Canducci könnte sich erschrecken. Tatsächlich hatte er den Kopf hoch erhoben und zuckte sogar einmal zusammen, aber im Schutz der anderen Pferde bewahrten er und auch ihr Ruhe und ich atmete erleichtert aus, als wir am anderen Ende wieder aufsteigen konnten. Dafür kam jetzt das, auf das wir die ganze Zeit gewartet hatten: Der Gruppengalopp.
„Wenn jemand zurückfällt oder nicht mehr kann, sofort schreien! Und niemand überholt!“, ermahnte die Reitlehrerin noch einmal, dann gab sie das Zeichen und die Pferde, die die Aufregung schon gespürt hatten und die Galoppstrecke überdies noch kannten, liefen begeistert los. Wir gingen alle in den leichten Sitz, um die Pferde zu entlasten, und ich hielt die Zügel sehr straff, da Canducci schneller laufen wollte und dabei dem Pferd vor uns gefährlich nahe kam. Es war herrlich, wie der Wind um uns pfiff und die Landschaft nur so vorbeizog. Viel zu schnell kam das Handzeichen und wir machten eine kleine Pause. Doch zu meiner Freude folgten noch zwei längere Trabstrecken und ein weiterer Galopp, bei dem auch die Reitlehrerin ein schnelleres Tempo anschlug. Die letzten Minuten ritten wir dann am langen Zügel und wieder im Stall spritzten wir den Pferden die Beine ab und gaben ihnen zu trinken und Futter. Es war ein toller Ausritt gewesen und ich war mächtig stolz auf Canducci, dass er sich so gut benommen hatte.