Reitunfall, der Sturz vom Pferd

Sie können den Sturz vom Pferd nicht zu 100% verhindern, aber mit einigen Tricks und Übungen vermeiden Sie Verletzungen

Jeder Reiter stürzt irgendwann einmal vom Pferd. Das ist quasi ein Muss, denn viele meinen sogar, wer noch nie vom Pferd gefallen ist, sei kein echter Reiter. An meinen ersten Sturz kann ich mich noch gut erinnern. Mein Pferd erschrak vor dem lauten Rattern eines Traktors und im nächsten Moment lag ich auch schon auf dem Boden.
„Pferd einfangen, aufstehen, weiterreiten!“, sagte mein Reitlehrer knapp zu mir. Trotz schmerzendem Allerwertesten humpelte ich also zu besagtem Pferd, das mittlerweile wie ein Unschuldslamm in der Ecke stand, schnappte mir die Zügel und stieg wieder auf. Erst nachher erklärte mir mein Reitlehrer, dass das Aufsteigen und Weiterreiten deshalb so wichtig war, weil man sonst möglicherweise so große Angst vorm Reiten bekam, dass man nie wieder aufstieg.

Einen richtig schlimmen Reitunfall hatte ich bisher glücklicherweise noch nicht, obwohl ich mehr als zwanzig Stürze hinter mir haben muss. Von einem Pferd, einem jungen Schulpferd, stürzte ich innerhalb von wenigen Monaten regelmäßig, sodass meine Eltern darauf bestanden, dass ich einen Rückenprotektor trug. Mit dem oftmaligen Küssen des Bodens lernte ich auch, wie ich richtig fiel und besonders wie ich Stürze vermied.



Den Moment des Fallens kann man sowieso kaum beeinflussen, das geht viel zu schnell. Aber um Stürze zu vermeiden gibt es einige Tricks:

  • Immer das Pferd beobachten. Vor allem wenn ich schreckhafte oder ängstliche Pferde reite, habe ich die Ohren des Pferdes immer im Blick. Sobald sie sich auf eine mögliche Gefahr oder etwas „Furchterregendes“ richten, nehme ich die Zügel auf, setze mich tiefer in den Sattel und bereite mich darauf vor, dass sich das Pferd möglicherweise schrecken könnte. Bei meinem Haflinger weiß ich mittlerweile, wann und vor was er sich schreckt und wann es zum Buckeln kommen könnte.
  • Festhalten. So einfach das vielleicht klingen mag, aber in den vielen Jahren, während ich im Schulbetrieb geritten bin, konnte ich so einige Reitschüler erleben, die völlig kopflos die Zügel „wegwerfen“ und hilflos herumhampeln, wenn das brave Schulpferd dann doch einmal scheut oder etwas Unerwartetes anstellt. Festhalten ist also ein Tipp, den sich viele zu Herzen nehmen sollten.
  • Waden zu. Wenn man sich mit den Beinen festklammert, kann man nur schwer stürzen. Ich habe auf dem oben erwähnten, jungen Schulpferd, gelernt, die Waden fest zusammenzukneifen, wenn plötzlich eine Buckelrunde kommt oder das Pferd meint, im Galopp davonpreschen zu müssen. Dann macht es auch nichts, wenn man mal die Steigbügel verliert, oder die Zügel zu lang waren.

Grundsätzlich denke ich mir immer: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Auch wenn ich meinem Haflinger völlig vertraue, ein Pferd ist und bleibt ein Fluchtpferd. Wenn es in Panik gerät, hilft alles Vertrauen nichts.

Wenn es dann aber wirklich soweit ist, dass ich mehr oder weniger elegant aus dem Sattel geworfen werde, gilt mein erster Gedanke sofort dem Pferd. Das unterscheidet Reiter von anderen Sportlern: Sie denken nicht zuerst darüber nach, was sie sich alles verletzt haben könnten, sondern einzig und allein an das Pferd. Geht es ihm gut? Ist es auf dem Weg nach Hause? Eine gefährliche Straße in der Nähe? Die Zügel hängen hoffentlich nicht herab, und er steigt sich hinein?
Wenn man mit einem oder mehreren anderen Reitern unterwegs war, ist die Suche nach dem Pferd viel leichter als alleine. Die meisten Pferde laufen sowieso in den heimischen Stall, aber wenn eine große Straße in der Nähe ist, ist trotzdem Vorsicht geboten. Und auch in der Halle kann sich das panische Pferd selbst in die Zügel steigen und verletzen. Das ist bei einem meiner Reitunfälle der Fall gewesen. In Panik schüttelte das Pferd die Zügel herunter und stieg sich in der Folge hinein. Zum Glück ist nichts außer ein paar Schrammen passiert, aber zu unterschätzen ist so etwas nicht.

Bei Reitunfällen kann viel passieren und immer wieder hört man von gebrochenen Armen, Gehirnerschütterungen oder anderem. Aber wenn man aufpasst und immer aufmerksam ist, bleiben Rietunfälle die Ausnahme und die Schutzengel bewahren Reiter und Pferde vor Verletzungen.