Darf man mit Skoliose Reiten? Ist Reiten gesund oder schädlich?

Diagnose Skoliose! Jetzt ist es aus mit Reiten. Das muss aber nicht zwingend der Fall sein.

Reiten mit Skoliose – Reiten trotz Skoliose – Reiten wegen Skoliose. Es gibt verschiedene Auffassungen darüber und jeder Arzt, Reitlehrer und Betroffene wird eine eigene Meinung dazu haben. Viele sagen, dass das Reiten eine hervorragende Therapie für diese Krankheit ist, andere behaupten das Gegenteil.

Was ist Skoliose?

Was ist Skoliose überhaupt? Skoliose ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule, auch bekannt als Wirbelsäulenverkrümmung. Dabei sind einzelne Wirbel der Wirbelsäule um die Längsachse verdreht und beschreibt meistens zwei Bögen in S-Form. Das sorgt für Haltungsschwierigkeit und eine Veränderung des Schwerpunkts, ungleiche Gewichtsverteilung und viele andere Folgen. Natürlich gibt es Skoliose in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form, bei einigen ist sie kaum sichtbar und die Betroffenen wissen oft selber nicht, dass ihre Wirbelsäule verkrümmt ist, anderen sieht man es auf einen Blick an und sie benötigen Korsette oder andere Hilfen, um die Haltung und Muskulatur zu verstärken.

Ich habe selbst Skoliose, daher liegt mir dieses Thema sehr am Herzen und ich möchte nun meine Erfahrungen damit schildern:

Als sich bei mir zu Beginn der Pubertät herausstellte, dass meine Wirbelsäule schief und verkrümmt war, war eine der ersten Sorgen das Reiten. Das ernüchternde Urteil meines Arztes: Ab einem gewissen Grad, der magischen 30-Grad-Marke, ist Reiten sehr schädlich, für das Pferd genauso wie für den eigenen Körper und sorgt für eine stetige Verschlechterung, da die Muskulatur die Fehlstellung nicht ausreichend kompensieren kann. Bis ich die Röntgenbilder bekam, zitterte ich, unwissend, ob ich meinen Lieblingssport jemals wieder ausüben durfte. Doch ich hatte Glück, war unter der magischen Zahl, die mir die Türen zum Reitsport geschlossen hätte. Fleißig machte ich meine Physiotherapieübungen, damit sich die Skoliose mit den letzten Wachstumsschüben nicht verschlechterte. Beim Reiten merkte ich nichts von meiner eigenen Schiefe. Reiten hilft, hörte ich aus verschiedenen fachkundigen Mündern und damit war die Sache für mich erledigt.

Das Pferd spiegelt die eigene Haltung wider

Doch in den letzten beiden Jahren entwickelte ich ein besseres Gespür für meinen Körper und das galt auch für die Zeit, die ich auf dem Pferderücken verbrachte. Und mein Pferd begann, meine Schiefe widerzuspiegeln. Ich war schief und dadurch wurde das Pferd schief, wodurch ich wiederrum noch schiefer wurde – ein unendlicher Kreislauf. Ich dachte sogar daran, mit dem Reiten aufzuhören, denn was brachte es, wenn ich mir und meinem Pferd nur schadete?


Doch durch das gezielte Training und darauf Achten, wie ich saß und wie ich sitzen musste, gelang es mir, diese Schiefe zu einem guten Teil auszugleichen. Spiegel waren mir eine große Hilfe, wenngleich ich mir oft auch merkwürdig vorkam, ständig hinein zu blicken. Andere Reiter mussten denken, ich wäre furchtbar eitel – aber das Spiegelgucken half, genauso wie ich ein besseres Körpergefühl bekam, wenn ich mit geschlossenen Augen ritt, ohne Steigbügel und Zügel. Ich begann langsam zu spüren, wann ich falsch saß und konnte etwas dagegen unternehmen. Ein Schritt war, den linken Steigbügel um ein Loch kürzer zu machen als den Rechten, da meine Beine eine ungleiche Länge aufwiesen und durch den kürzeren Steigbügel nun meine linke Seite besser gestützt wurde. Außerdem versuchte ich, vermehrt Biegungen zu reiten und dabei nicht den Oberkörper zu kippen, sondern mitzudrehen. Es war nicht einfach, aber langsam gelang es mir, ein besseres Gleichgewicht zu finden. Ich konnte gerader im Sattel sitzen, besonders wenn ich zum Aufwärmen mehr auf meiner schlechteren Hand ritt (die zufälligerweise auch die schlechtere Seite des Pferdes war), und diese Besserung reflektierte auch mein Pferd, woraufhin ich wieder noch gerader sitzen konnte. Und heute? Ich sitze immer noch nicht hundertprozentig gerade auf dem Pferd, doch habe ich gelernt, an meinen Fehlern zu arbeiten und mich auf mein Pferd zu verlassen. Manche andere mit Skoliose haben keine Probleme damit, bei wiederum anderen kann es gegenteilig erscheinen.

Und wie nun entscheiden, wenn man selbst an Skoliose leidet? Ich persönlich bin der Meinung, dass jeder Mensch anders ist und anders reagiert und die Entscheidung daher von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Ärzte und Therapeuten können mit Rat und Tat zur Seite stehen, wobei ich die Meinung von mindestens zwei verschiedenen Seiten anhören würde, auch Reitlehrer und natürlich das eigene Pferd wird ein guter Ratgeber sein. Im Endeffekt ist es dann doch die persönliche und eigene Entscheidung und Empfindung, ob Reiten gut oder schlecht ist.