Profil und Augen des Pferds als Charaktermerkmal

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Artikels wie Sie anhand der Augen und des Profils Rückschlüsse auf das Pferd ziehen.

Zu Persönlichkeitsanalyse ist die Profillinie des Pferdes sehr wichtig. Pferde mit geradem Profil sind unkompliziert und lernen schnell. Besitzt das Pferd eine sogenannte „Elchnase“, das heißt, die Nasenpartie wird durch einen Knick eingeleitet, verfügt es über einen dominanten und starken Charakter. Solche Pferde haben in der Rangordnung häufig Führungspositionen inne.
Eine Elchnase kombiniert mit einem Hechtkopf deutet auf übermäßige Intelligenz und eine großes Selbstvertrauen hin, besitzt das Pferd dann noch eine gewölbte Stirn, ist es eine sehr komplizierte Persönlichkeit. Ein Hechtkopf ohne Elchnase ist sehr sensibel.

Eine Ramsnase (ähnlich wie eine Elchnase hat auch sie ein gerundetes Nasenbein, allerdings ohne Knick) ist widerstandsfähig, mutig und zäh. Geht die Rundung von den Ohren bis zu den Nüstern, spricht man von einem Ramskopf. Solche Pferde werden bei ungerechter Behandlung widerspenstig.

Wichtig sind auch mögliche Wölbungen unter der Stirn. Hat das Pferd eine gewölbte Stirn oder eine Wölbung zwischen den Augen, kann es manchmal unberechenbar sein und braucht oft viel Geduld. Ähnlich sind Pferde mit dem sogenannten „Spinnerhubbel“, einer kleinen Wölbung unter den Augen, da solche Pferde manchmal anscheinend grundlos austicken.

Augen der Pferde

Pferde mit großen, runden oder mandelförmigen Augen sind normalerweise gutmütig, vertrauensvoll und arbeiten gerne mit. Halb geschlossene Augen können auf Schmerzen hindeuten oder einfach die Introvertiertheit aufzeigen. Pferde mit kleinen Augen oder sogar „Schweinsäuglein“ sind oft stur, lernen schwieriger und reagieren empfindlich auf Druck. Auch kleine Augen können Schmerzen bedeuten. Gruben über den Augen weisen oft auf eine schwere Vergangenheit hin, schlechte Behandlung, Krankheiten, Schmerzen oder häufigen Besitzerwechsel. Hat das Pferd eine Falte über den Augen ist es unsicher. Auch das Weiße in den Augen hat eine Bedeutung, wenn es nicht wie bei manchen Pferden (wie z. B.: Appaloosas) angeboren ist. Es zeigt Angst oder Schmerzen des Pferdes, vom leichten Unbehagen bis zum Extremfall Panik.


Pferd und Stirnwirbel

Wirbel außerhalb des Kopfes haben normalerweise keinen Einfluss auf den Charakter des Pferdes. Ein Wirbel auf der Stirn ist normal, während zwei für gewöhnlich zeigen, dass das Pferd auf Stress sehr empfindlich reagiert. Grundsätzlich gilt: je mehr Wirbel das Pferd auf der Stirn hat, desto komplizierter und schwieriger sein Charakter. Beispielsweise deuten drei Stirnwirbel auf ein Einpersonenpferd hin, das eine feste Bezugsperson braucht.

Überforderung oder Stress

Nun kann man anhand dieser Persönlichkeitsanalyse auch Überforderung und Stress des Pferdes erkennen. Einige Pferde sind, wie ich selbst schon gemerkt habe, schnell überfordert, wenn zu viele Reize auf sie einwirken. Bei manchen Pferden ist der Punkt, an dem sie dichtmachen, schon innerhalb kürzester Zeit erreicht, andere Pferde sind dabei viel robuster. So kann es sein, dass schon der Traktorenlärm von draußen genügt, um bei einem Pferd während der Trainingseinheit Überforderung hervorzurufen. Dies erkennt man leicht an folgenden Zeichen:

Die gespitzten Ohren. Je enger die Ohren gespitzt sind, desto anstrengender und intensiver ist es für das Pferd. Dies kann sowohl bei geistiger als auch bei körperlicher Überforderung auftreten. Manchmal kurzfristig eng gespitzte Ohren sogar wünschenswert, im Springsport beispielsweise, wenn das Pferd über sich hinauswächst und alles gibt. Einige Pferde haben auch von Natur aus enger gespitzte Ohren, besonders wenn sie über ein hitziges Temperament verfügen und ihre Energie irgendwie abbauen müssen.

Auch an den Nüstern kann man die Überforderung erkennen. Am besten sieht man sich dazu die Pferdenüstern in der gewohnten Umgebung an, in der Box oder beim Putzen, wenn sich das Pferd entspannt. Verarbeitet das Pferd gerade Informationen oder Neugelerntes, schließt es die Nüstern und ist für kurze Zeit nicht aufnahmefähig. Auch, wenn es eine Lektion nicht versteht oder die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter nicht richtig funktioniert, können die Nüstern geschlossen sein.