Mit Pferd oder Pony reiten

Als kleines Mädchen träumt man vom Pony, später dann vom eigenen Pferd, Wo aber liegt der Unterschied?

Kleine Kinder träumen von Ponys, Erwachsene reiten fast immer auf Großpferden. Die Unterschiede zwischen Pferden und Ponys? Viele vermuten, dass der Charakter eine Rolle spielt, aber man kann nicht die Pferde verschiedener Rassen über einen Kamm scheren, denn jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter, ob Pony oder Pferd.
Ganz einfach, der Unterschied ist die Größe. Die Pferdegröße misst man am Widerrist, dem Übergang zwischen Hals und Rücken. Bis zum Stockmaß von 1,48 Meter ist es ein Pony, alle größeren Tiere sind Pferde. Besonders auf Turnieren ist diese Einteilung sehr wichtig, denn die kleineren Vierbeiner hätten zum Beispiel im Zeitspringen mit ihren kurzen Beinen keine Chance gegen ihre größeren Kameraden. Durch diese Einteilung kann es auch vorkommen, dass Angehörige der gleichen Rasse aufgrund ihrer Größe in verschiedenen Klassen starten müssen.
Es gibt natürlich auch Ausnahmen, so werden manche Pferderassen wie etwas das Islandpferd als Pferd bezeichnet, obwohl sie der Größe nach zu den Ponys zählen müssten. Eine besondere Pferderasse, die ich letztes Jahr auf einer Messe kennen lernen durfte, ist das American Miniature Horse. Obwohl diese Pferde kleiner als ein Meter sind, sehen sie nicht wie beispielsweise die Shetlandponys aus, haben kurze, stämmige Beine und einen kräftigen Körper, sondern elegante und feingliedrige Züge. Kurz, sie haben nicht die typischen Ponyproportionen, und sehen meiner Meinung sogar aus wie Araber, nur eben im Miniaturformat. Deshalb auch der Name „Miniature Horse“. 



Als ich kleiner war, sprachen meine Freundinnen und ich immer von Ponys, wenn wir uns über Reiterfahrungen oder sogar Reitercamps austauschten. Der Grund ist ganz leicht zu erklären: Fast jeder, der jung anfängt, lernt das Reiten auf Ponys. Sie sind kleiner, man fällt nicht so weit und besonders ängstliche Kinder haben vor Ponys, die gleich groß oder kleiner als sie sind, weniger Respekt, als vor riesigen ‚Ungetümen‘. Außerdem ist das Putzen und das Führen, Halftern, Zäumen und Satteln leichter, genauso wie das Aufsteigen und generell das Einwirken auf das Pferd leichter. Wird man dann größer, steigt das Interesse für größere Pferde, oft wird man für die Kleinen eben zu groß und im Schulbetrieb gilt sowieso der am Coolsten, der die größten Pferde reiten darf. Man möchte auf die anderen herabsehen und viele die ich kenne, empfinden es sogar als Beleidigung, wenn sie eines von den Schulponys zugeteilt bekommen. Natürlich, es gibt viele Ponyrassen, die speziell als Kinderponys vermittelt werden, und hat ein Kind ein eigenes Pferd, dann meistens ein kleineres. Nur irgendwann wird man für das Shetty zu groß und man kann fast mitlaufen mit dem Pony. Dann muss ein größeres Pferd her, und nur wenige denken dabei an Isländer oder Haflinger, die auch von Erwachsenen geritten werden, man möchte lieber ein großes Warmblut.
Im Grunde spielt der eigene Geschmack eine wichtige Rolle, ob man sich für Pferd oder Pony entscheidet. Ich bevorzuge Haflinger und andere Kleinpferde jedem 1,70 Meter großem Warmblut, obwohl mein Haflinger stolze 1,56 Meter groß ist, und somit auch schon zu den Pferden zählt. Allerdings fühle ich mich auch mit dieser Größe am wohlsten, und das ist das Wichtigste. Freundinnen von mir haben, meiner Ansicht nach, Riesenpferde, zu denen ich immer hochschauen muss, und belächeln jeden, der von Ponys schwärmt. Eine andere Freundin von mir schwärmt immer wieder über ihren kann 135 Zentimeter-Isländer, obwohl sie eigentlich schon zu groß für ihn wäre. Bei ihr finden Großpferdreiter das noch nicht ‚komisch‘, aber erwachsene Ponyreiter werden oftmals mit einem milden Lächeln bedacht und hin und wieder wird auch eifrig gelästert, warum man sich denn kein „richtiges“ Pferd anschaffe. Aber auch Ponys sind Pferde, sie gehören schließlich alle zur Gattung Pferde, ob nun groß oder klein. Es gibt ja auch große und kleine Menschen. Nur können Ponys keine hohen Schuhe anziehen wie wir. Also kann man aus einem Pony kein Pferd zaubern – aber wer möchte das schon? Denn die Ponybesitzer lieber ihre Kleinen so klein wie sie sind.
Man kann außerdem auch mit Vierbeinern, die zu klein zum Reiten sind, tolle Dinge machen, ob Bodenarbeit, Spaziergänge oder kunterbunte Tricks, gerade Shetlandponys eignen sich aufgrund ihrer Klugheit hervorragend zu Trickmeisters.
Ob man Pony- oder Pferdeliebhaber ist, bleibt jedem selbst überlassen, jeder wie er mag.