Wie ist der Lebenszyklus eines Pferds?

Wann ist ein Pferd ausgewachsen, wie lange darf man es reiten und ab wann gehen Pferde in Pension?

Neulich musste ich doch tatsächlich feststellen, dass viele Leute gar nicht wissen, wie alt Pferde werden. „Na, so alt wie Hunde!“ und „Ich glaub‘ die werden schon so fünfzig Jahre“ musste ich mir sprachlos anhören.

Ich fragte weiter und es stellte sich heraus, dass meine Bekannten weder wussten, wann ein Pferd ausgewachsen noch, ab wann es reitbar ist.

Solche Wissenslücken rufen in der Pferdewelt allgemeines Kopfschütteln hervor, daher ein kleiner Einblick in den Lebenszyklus unserer geliebten Vierbeiner:

Fohlen

Die süßen, langbeinigen Pferdebabys nennt man kurz nach der Geburt „Füllen“, allerdings ist der Begriff „Fohlen“ viel weiter verbreitet und bezeichnet grundsätzlich alle Pferdekinder bis sie ein Jahr alt werden. Dieses Jahr ist für die Entwicklung am Allerwichtigsten für die Kleinen. Sie wachsen rasend schnell, wobei die Proportionen nicht so ganz stimmen. Fohlen werden im Frühling geboren und bleiben bis zum Herbst bei der Mutter, nach ca. 6 Monaten werden sie abgesetzt und von der Mutter getrennt. Ab diesem Zeitpunkt nennt man sie auch „Absetzer“, sie kommen meist in eine Herde mit Gleichaltrigen und verbringen dort eine schöne Jugend.

Jährling, Zweijähriger

Mit dem Alter von einem Jahr werden die jungen Pferde „Jährlinge“ genannt, mit zwei Jahren – wie sollte es anders sein – „Zweijährige“. Das Spiel könnte man natürlich ewig fortsetzen, doch die gebräuchlichsten Begriffe, mit denen man in der Pferdewelt auch als Laie punkten kann, sind Jährling, Zweijähriger und vielleicht noch Dreijähriger. In diesem Zeitraum wachsen die Jungpferde für gewöhnlich in einer Herde mit Gleichaltrigen auf, außerdem kann und sollte man mit der Erziehung der Jährlinge beginnen. Sie sollen sich an Menschen gewöhnen, an das Putzen, Hufe auskratzen und Führen, an den Tierarzt und das Longieren. Mit einem Jahr haben Pferde übrigens schon 60 Prozent ihrer Körpergröße erreicht, die Wachstumsschübe sorgen aber immer wieder für ungleiche Proportionen. Mit zirka zwei Jahren werden Stuten zum ersten Mal rossig, Hengste etwas früher. Zu diesem Zeitpunkt sollten man Hengste und Stuten schon getrennt, und möglicherweise Hengste auch kastriert haben. Vom erwachsenen Pferd spricht man grundsätzlich ab einem Alter von drei Jahren. Ab diesem Alter werden Pferde normalerweise angeritten und gelten als erwachsene Pferd, aber…



Jungspund

Die letzten großen Wachstumsschübe sollten mit drei Jahren abgeschlossen sein, doch die Pferde wachsen immer noch, viel langsamer, aber dennoch. Außerdem ist der Reifeprozess noch im Gange. Deshalb denke ich nicht, dass man Pferde schon ab diesem frühen Alter anreiten sollte – zumindest nicht pauschal. Manche Pferde mögen mit drei Jahren schon reif und reitbar sein, doch weiß ich selbst aus Erfahrung, dass man mit dem Anreiten nichts überstürzen sollte. Manche Reiter vertreten außerdem die Meinung, dass das Reiten in diesem frühen Alter für den Pferderücken äußerst schlecht sei, und es ist auch eine Tatsache, dass die jungen Pferde noch nicht so nervenstark und geduldig sind. Deshalb sollte man mit den Jungspunden sorgsam umgehen und sie langsam und feinfühlig reiten. Richtig ausgewachsen und erwachsen sind Pferde meistens im Alter von vier bis fünf Jahren, manche Rassen, die von Natur aus Spätentwickler sind (wie beispielsweise Isländer) gar auch erst mit sieben Jahren.

Blütezeit

Man sagt, die Blütezeit der Pferde liegt zwischen sechs und zirka zwölf bis fünfzehn Jahren. In dieser Zeit sind sie am Leistungsfähigsten, die Ausbildung kann vorangetrieben werden und Turnierbesuchern wird auffallen, dass die Spitzenpferde kaum dieses Alter überschreiten und schon gar nicht unterschreiten. Für den Pferdekauf und –verkauf ist diese Zeit ebenfalls von Bedeutung, da Pferde in diesem Altersrahmen die höchsten Verkaufspreise erzielen. Mit etwa zwölf bis fünfzehn Jahren lässt die Leistung langsam wieder nach, wenngleich man das natürlich nicht sofort merkt. Der Übergang ist fließend, und jedes Pferd ist anders.

Senioren

Ab wann die ersten Altersmerkmale auftauchen und wie lange Pferde reitbar sind, ist unterschiedlich von Pferd zu Pferd und von Rasse zu Rasse. Wichtig ist auch, wie stark belastet die Pferde in ihren besten Jahren wurden. Schulpferde gelten mit 18 Jahren bereits als alt und es wird über ihren Ruhestand diskutiert, während Freizeitpferde vielleicht mit 25 noch reitbar sind. Es steht auch fest, dass Ponys grundsätzlich älter als Großpferde werden. Alterszeichen sind beispielsweise ein Senkrücken (von starker Belastung), spitze Flanken und Kruppe, oft werden die Rippenbogen sichtbar, die Augen eingefallen. Das heißt nicht, dass es diesen Pferden schlecht ergangen ist, dies sind natürliche Zeichen des Alters, genauso wie die Häufung der Krankheiten und Beschwerden. Man sollte beim Reiten von Pferden über 20 vermehrt aufpassen und, auch wenn sie noch topfit sind, langsam zurückschrauben. Man kann stattdessen andere Dinge mit dem Pferd gemeinsam machen und dem Senioren mit einem schönen und liebevollen Lebensabend für die gemeinsame Zeit danken. Wie alt Pferde werden, hängt auch von vielen Faktoren ab, wie schon gesagt, von Haltung, Tätigkeit und Belastung, Stress und überstandenen Krankheiten ab. Ponys können bis zu 40 Jahre alt werden, Großpferde erreichen dieses Alter eher selten und viele erreichen das 30. Lebensjahr nicht mehr.