Fehlende Fairness und Neid im Reitsport

Leider gibt es im Reitsport teilweise auch mangelnde Fairness. Wie Sie damit umgehen können.

Der Reitsport ist gefährlich, faszinierend, leidenschaftlich, aber ganz sicher nicht fair. Zwar bemüht man sich oft, so fair wie möglich zu sein, doch gerade im Turniersport kommt Fairness oft zu kurz, sei es wegen dem Ehrgeiz mancher Reiter, unverständlichen Benotungen von Richtern oder Missgunst zwischen Turnierreitern – es gibt noch viel mehr, was „Fairness“ in den Hintergrund rücken lässt. Ein wichtiger Grund für mich, nie wirklich aktiv in den Turniersport einsteigen zu wollen. Will ich mir und meinem Pferd das tatsächlich antun, frage ich mich. Man trainiert wochenlang, monatelang, und im Viereck passiert dann ein kleiner Fehler (egal ob Pferd oder Reiter) oder ein Richter hat einen schlechten Tag und schon ist die Benotung viel niedriger als erwartet und man stellt sich automatisch die Frage: Was habe ich schlechter gemacht als alle anderen? Außerdem fühle ich mich auch auf Abreiteplätzen nicht wohl, in jeder Ecke stehen Zuschauer, jeder Fehler, jede Bewegung wird misstrauisch beobachtet.

Unter den Blicken der Komkurrenz

Andere mögen darauf nicht viel geben, doch ich selber fühle mich unter solchen Beobachtungen nicht wohl, wenn die Konkurrenz zu tuscheln beginnt, neidvoll den schwungvollen Trab beobachtet und sich dabei böse Gedanken formen. Zu oft habe ich schon solche Unterhaltungen auf Turnieren mitbekommen, die tatsächlich in Richtungen gingen wie: „Bitte, lass sie sich verreiten!“ oder Schadenfreude über Fehler von Anderen. Auf Springturnieren ist dies noch extremer, denn da wird sich auch über Stürze und gefährliche Verweigerungen von anderen gefreut.

Da frage ich mich, ob der eigene Sieg tatsächlich so wichtig ist, dass man Verletzungen von anderen mit Jubelschreien bedenkt? Natürlich sollte man sich über einen Sieg freuen, doch welchen bitteren Beigeschmack hat dieser, wenn Mitstreiter währenddessen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen? Ja, man ist ja nicht schuld an Unfällen, doch solche Gedanken wie „Wenn sie doch nur stürzen würde!“ oder Schadenfreude darüber sind meiner Meinung nach fast gleichwertig.


Neidisch auf den Erfolg

Und selbst im eigenen Stall sitzt der Neid in jeder Ecke. In einem meiner früheren Reitställe konnte ich mein Pferd nicht einmal in Ruhe putzen ohne die grimmigen Blicke anderer im Rücken zu spüren. Neid, Missgunst und Abschätzung liegen nahe beieinander und kommen in Lästereien zum Ausdruck. Ich finde es nur schade und traurig, wenn jeder Erfolg mit dem Pferd beneidet und über jeden Misserfolg heftig gelästert wird. Vielleicht ist es der Konkurrenzkampf, der dies verursacht. In der Schule, in der Arbeit dominiert er das Leben – und jetzt auch noch im Reitstall? Zum Glück gibt es auch solche Ställe, in denen man gemeinsam Erfolge feiern kann und Misserfolge und Rückschritte diskutieren kann und es dabei nicht Kritik, sondern Tipps und Hilfsangebote hagelt.

Wenn ich mit anderen Reitern gleichzeitig reite, und zufällig bemerke, wie schön das Pferd geht oder welchen guten Sitz der Reiter hat, dann empfinde ich ehrlich gesagt keinen Neid, eher bewundere ich Pferd und Reiter und nehme mir vor, an mir selbst zu arbeiten, um genauso gut zu werden. Man kann von anderen Reitern so viel lernen, anstatt sie zu beneiden.

Außerdem ist es Außerstehenden oft schwer, die tatsächlichen Umstände und Hintergründe zu erahnen. Jedes Pferd ist anders, hat eine andere Geschichte, jeder Reiter andere Schwierigkeiten. Wer weiß, wie lange die beneidete Reiterin mit dem schönen Rappen schon trainiert. Vielleicht sind sie seit zehn Jahren ein eingeschworenes Team, kein Wunder dass da jede Bewegung wie einstudiert aussieht. Wer weiß, wie oft das nervöse Pferd, das ständig mit dem Schweif schlägt, schon auswärts war? Vielleicht ist es das erste Turnier. Wer weiß, welche Geschichten, Bindungen, Erfolge hinter dem Pferd-Reiter-Gespann steht.

Ich ziehe Wiesen und Wälder dem Turniersport vor, denn im Wald kann höchstens ein Kaninchen neidisch auf den schönen Pelz meines Tieres sein. Und zum Glück gibt es auch Reitställe, in denen dem Neid die Tür verschlossen bleibt.