Monty Roberts der Pferdeflüsterer ein Erlebnis

Ich durfte Monty Roberts den Pferdeflüsterer live erleben und war sehr beeindruckt. Lesen Sie meine Eindrücke

DER Pferdeflüsterer schlechthin – wer kennt ihn nicht, Monty Roberts? Ich hatte das Vergnügen, ihn letzte Woche Live zu erleben und einen Eindruck in seine Arbeit mit Pferden zu bekommen. Meine Erfahrungen dazu möchte ich nun gerne hier teilen.

Monty Roberts, mittlerweile 80 Jahre alt, ist ein amerikanischer Autor, Pferdezüchter und Pferdekenner. Seit er von Queen Elisabeth II. in ihren Stall eingeladen wurde, ist er international bekannt und tourt seit Jahren durch die Welt, um sein Wissen zu verbreiten, Instructors zu lehren und live vor Publikum mit Pferden zu arbeiten.

Ich habe Monty Roberts mit ein paar Reitfreunden live in Stadl-Paura in Österreich gesehen. Die Abendshow fand in der Reithalle statt und Montys Wirkungsort war ein kleiner, eingezäunter Round Pen in der Mitte der Halle. Meine erste Befürchtung war, dass die fünf Pferde, mit denen er arbeiten wollte, sehr nervös sein könnten oder durch die vielen Zuschauer und Lichter abgelenkt würden, aber meine Befürchtungen bewahrheiteten sich kaum.

Die Arbeit mit fremden Pferden

Nachdem Monty Roberts einen kurzen theoretischen Einblick in seine Arbeit gab, sich vorstellte und ein paar Witze riss – Mit Übersetzung, was meiner Meinung nach kaum nötig war. Selbst mein dürftiges Englisch reichte aus, um fast alles zu verstehen, was er sagte. Allerdings waren auch einige Kinder unter den Zusehern, die vielleicht kaum etwas verstanden hätten. – kam auch schon das erste Pferd, ein rohes Jungpferd. Monty versicherte noch einmal, dass er zuvor noch nie mit dem Pferd gearbeitet hatte, dass die fünf Pferde von seinem Team ausgewählt wurden, nachdem ihre Besitzer sie vorgestellt hatten. Zuerst zeigte Monty das „Join Up“, die Methode die er entwickelt und so benannt hatte. Dabei schickt man das Pferd zuerst von sich weg und treibt es mit einer Longe vorwärts. Erst wenn das Pferd durch das Senken des Halses, Kauen und zum Reiter gerichtetes Ohr zeigt, dass es nun bereit ist, ihm zu folgen, lädt man es ein, näher zu kommen. Monty Roberts sagte dazu, dass er noch nie ein Pferd erlebt hat, welches nach (mehrmaliger) Aufforderung nicht zu ihm gekommen sei. Für mich war es besonders spannend die Veränderung des Pferdes zu sehen. Anfangs war das Jungpferd nervös und die Ohren drehten sich immer wieder zum Publikum, doch nach ein paar Runden im Round Pen fixierte es sich tatsächlich auf Monty Roberts und folgte ihm auch danach quer durch den ganzen Round Pen. Danach ging es sehr schnell, binnen zehn Minuten war das Jungpferd an Pad, Sattel und Reiter gewöhnt, wobei Monty nie Gewalt anwendete, sondern stets beruhigend auf das Tier einsprach und es lobte oder durch erneute Versuche und Druck auf sein spezielles Duality Halfter darauf hinwies, was er von ihm wollte.

Dieses Jungpferd buckelte weder mit Sattel noch mit Reiter, aber die ersten Schritte waren sehr unbeholfen und tapsig, woran man ganz gut erkennen konnte, dass das Pferd tatsächlich zum ersten Mal einen Sattel trug und nicht zuvor schon eingeritten worden war.

Natürlich ist das auch nicht damit getan, dass sich Monty fünfundzwanzig Minuten mit dem Tier beschäftigt hat, aber ein Grundstein ist auf alle Fälle gelegt.

Die nächsten beiden Pferde waren dann die interessantesten Fälle. Zum einen ein Pferd, das beim Aufsteigen ohne oder mit Aufstiegshilfe nicht stehen bleiben wollte, und zum anderen ein sehr schreckhaftes Pferd, mit dem Monty Roberts ohne Longe/ Strick über eine Plastikplane gehen wollte.
Das erste Problem löste er nach dem Join Up, indem er es wieder und wieder zum Aufsteigen hinstellte und geduldig immer wieder erklärte, was er von ihm wollte. Dabei war gut zu sehen, wie das Pferd anfangs immer wieder zur Seite wich, nach einer Zeit aber kapierte, was der „Pferdeflüsterer“ von ihm wollte. Nach etwa einer Viertelstunde schließlich stand das Pferd felsenfest, während ein Reiter auf es zuging, die Aufstiegshilfe fest in den Boden stellte und aufstieg oder sogar trabend auf es zukam, in der Absicht, aufzuspringen.

Die Wasserplanen-Geschichte war noch eindrucksvoller, da man deutlich erkennen konnte, dass das Pferd überhaupt keine Lust hatte, auch nur einen Fuß darauf zu setzen. Monty ließ einen Plastikplanen-„See“ in den Round Pen legen, sodass am Rand ein 1,5m breiter Streifen frei blieb, auf dem sich das Pferd bewegen konnte. Schließlich legte er noch einen schmalen „Fluss“ so, dass das Pferd darüber springen musste, wenn es seinen Weg fortsetzen wollte. Mit der Zeit wurde dieser Fluss immer größer, bis das Pferd immer mal wieder die Plane berührte und schließlich die Angst davor verlor, denn es geschah ja nichts, wenn es ihn berührte. Immer wieder übte Monty Roberts dies, im Galopp, Trab oder Schritt trieb er das freie Pferd und führte es, als es einige Male über den „Fluss“ im Schritt gegangen war ohne sich zu erschrecken, auch über den See. Das war wieder eine neue Situation, deshalb war der See am Anfang wieder etwas gespenstig, aber schlussendlich gelang Monty sein Ziel: Dass das Pferd ihm frei über die Plastikplanen folgte.

Zum Abschluss dann auf Nummer sicher

Zum Abschluss des Abends kamen zwei Pferde, die Angst vor dem Verladen hatten. Von diesen zwei Pferden war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Der Hänger, in den die Pferde geführt wurden, hatte Zäune als Begrenzung an den Seiten und die vordere Klappe wurde auch nicht geschlossen, sondern blieb offen, sodass die Pferd gleich wieder nach draußen gehen konnten. Ich bin mir außerdem nicht sicher, ob nicht zumindest mit dem einen Pferd vorher gearbeitet wurde, denn es ging nach ein paar Übungen widerstandslos in den Hänger. Doch Montys Ausführungen dazu waren gut, er schilderte genau, wie man ein Pferd ohne Druck verlud, sodass die Besitzer sicher gut damit arbeiten konnten. Dennoch würde mich gerne interessieren, wie die zwei Pferde sich verhalten hätten ohne die Begrenzung und mit geschlossenen Klappen, um die Situation der Hängerfahrt realistisch zu inszenieren.

Alles in Allem war es ein sehr spannender und interessanter Abend, von dem ich mir einiges mitnehmen konnte. Es gab auch einen Stand für Monty Roberts‘ Artikel, Longe, Duality Halfter, Bücher und anderes und er selbst stand in der Pause für Fotos und Autogramme bereit. Ich finde es bewundernswert, dass er mit seinen 80 Jahren noch so fit und aktiv ist, um die Welt reist und nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat. Denn eines muss man ihm lassen: Er beherrscht seine Körpersprache genau und jedes der fünf Pferde reagierte sofort auf ihn und darauf, was er wollte.

Lesen Sie dazu passend auch unseren Artikel "Dem Pferd was flüstern"