Lipizzaner - Die edlen Barockpferde

Nachdem die anderen Farben weggezüchtet wurden ist weiß das Markenzeichen der Lipizzaner

Ursprünglich gab es sie in allen Farben, doch nach und nach wurden die Farben weggezüchtet und heute ist das weiße Fell das Markenzeichen der Lipizzaner. Als Fohlen schwarz geboren, werden sie erst im Laufe der Zeit immer heller, meistens sind die meisten Tiere erst mit sieben bis zehn Jahren völlig weiß. Hin und wieder gibt es allerdings noch Braune oder Rappen, die oft auch als Glücksbringer gelten, besonders in der Spanischen Hofreitschule in Wien. Es ist ein faszinierender Anblick, eine Lipizzanerherde zu sehen, besonders wenn es Stuten mit ihren Fohlen sind. Dieses Gemisch aus Schimmeln, Rappfohlen und den langsam ausschimmelnden „Halbwüchsigen“ einmal gesehen zu haben ist für jeden Fan der Barockpferde ein Muss.
Gezüchtet werden die Lipizzaner hauptsächlich in einigen wenigen großen Gestüten in Europa, darunter Lipica in Slowenien, Piber in Österreich, Topolcianky in der Slowakei oder dem in Ungarn gelegenen Gestüt Szilvasvarad.

Denn die Zucht der schneeweißen Pferde hat eine lange Tradition. Beispielsweise die Namensgebung, denn es gibt  mittlerweile nur mehr sechs originale Hengstlinien: Maestoso, Favory, Conversano, Neapolitano, Siglavy und Pluta. Von den ursprünglichen zwanzig Stutenlinien sind nur mehr sechzehn erhalten, beispielsweise Capriola, Famosa oder Allegra. Hengstfohlen erhalten stets zwei Namen, den der Vaterlinie und den der Mutterlinie, während die Stuten nur den der Mutter bekommen.



Die spanische Hofreitschule in Wien

In der Spanischen Hofreitschule in Wien sind die Schimmelhengste ebenfalls beheimatet, hier werden sie vorgestellt und in der klassischen Dressur bis zur Hohen Schule trainiert. Dennoch sind die Lipizzaner bei weitem nicht so häufig in privaten Händen oder Reitställen zu sehen wie beispielsweise Friesen oder Andalusier, obwohl alle drei Rassen zu den Barockpferden gehören. Das hat viele Gründe, einer davon ist, dass kaum gute, gerittene Lipizzaner zum Verkauf geboten werden. Die großen Gestüte behalten die besten Pferde selbst und sortieren diejenigen, die sich nicht zur Zucht eignen, oft frühzeitig aus. Die schneeweißen Pferde sind allerdings Spätentwickler, oft sehen sie als Jährlinge oder Zweijährige noch recht unansehnlich aus und werden auch aus diesem Grund nicht so häufig gekauft. Doch sie entwickeln sich, und ein mit drei Jahren vielleicht noch unförmiger Wallach läuft Jahre später als elegantes Showpferd, wie man es sich kaum vorstellen kann. Außerdem bestechen die Lipizzaner zwar mit ihrem weißen Fell, der imposanten Haltung und den tollen Gangarten, aber sie verfügen eben auch nicht über die lange, wallende Mähne der Friesen und haben auch eher kurze Beine und einen kompakten Körper, ganz anders als Andalusier.
Ich war selber schon in der Spanischen Hofreitschule und konnte dort die Schimmelhengste zuerst bei einer Stallführung und anschließend bei der Vorführung in der Halle erleben. Der Unterschied ist gewaltig, denn wenn die Lipizzaner in der Box vielleicht gutmütig, sanft und beinahe träge wirkten, waren sie unter dem Sattel wie verwandelt, sie schwebten förmlich durch den Sand und zeigten ihre imposante Ausstrahlung.
Lipizzaner sind aber auch nicht für jedermann geeignet. Ein Spring- oder Westernreiter wird sich niemals mit ihnen anfreunden können, denn dafür eignen sich die Barockpferde kaum. Dagegen sind sie wie geschaffen für Dressurarbeit bis zur hohen Schule und auch als Kutsch- oder Showpferde einsetzbar. Sie lieben es, gefordert zu werden und lernen auch außerordentlich schnell und gut. Sie sind aber keine Anfängerpferde und auch nicht als Familienpferde geeignet, eher brauchen sie eine feste Bezugsperson und haben oft auch ein gewisses Temperament, dass sie für Kinder sowie Anfänger ungeeignet macht, auch sind sie meistens sehr sensibel und brauchen eine verständnisvolle, sanfte aber auch konsequente Hand. Allerdings zeichnet diese Rasse auch eine gewisse Reserviertheit aus, erst nach und nach legt sich diese, wenn das Pferd Vertrauen zu seinem Reiter fasst. Hat man das Vertrauen des Lipizzaners errungen, kann er zu einem treuen und verlässlichen Partner werden.