Isländer-Pferde

Jeder kennt die kleinen stämmien Pferde aus dem Norden, die Rede ist vom Islandpferd, oft auch Tölter genannt

Wer kennt sie nicht, die kleinen, stämmigen Vierbeiner mit dem dichten, flauschigen Pelz? Aus Island stammen sie, die Islandpferde. Und obwohl sie von der Größe her eigentlich zu den Ponys gehören, werden sie doch als Island-Pferde bezeichnet. Mich haben sie schon immer fasziniert, die Isländer, und doch gibt es auch bei dieser Pferderasse unzählige Vorurteile.

Isländer reitet man ganz anders als andere Pferde.

Ja genau, weil man ja auch einen Porsche so anders fährt als einen Golf. Natürlich, ein paar Unterschiede gibt es, aber auch Isländer haben schließlich Schritt, Trab und Galopp und sind mit Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen zu reiten. Der einzige Unterschied  sind die zusätzlichen Gangarten Tölt und Pass, die man einfach lernen muss. Es gibt genug Islandpferde, die „nur“ vier Gangarten haben und in den Tölt nur bei den richtigen Hilfen fallen und sonst immer traben, andererseits gibt es auch Isländer, die auch ohne Hilfengebung im Tölt bleiben und nur selten traben. Und Tölt ist erfahrungsgemäß die angenehmste Gangart überhaupt, bleibt doch das Sprunghafte aus und man sitzt ganz bequem im Sattel.

Dressurreiten? Auf einem Islandpferd?

Warum denn nicht? Es gibt sogar eigene Dressurturniere für die kleinen Sportler und eigene Gangturniere. Oft höre ich, dass Islandpferde nur zum Herumalbern und Freizeitreiten sind, viele unterschätzen die Fähigkeiten der Isländer. Letztlich liegt es an der Ausbildung und am Training. Und viele Islandpferdebesitzer kaufen sich einen Isländer eben „nur“ zum Freizeitreiten. Aber ich kenne auch ein paar Reiter, die mit ihren, liebevoll „Isis“ genannten Pferden, auf Turniere gehen  und Islandpferde sind sogar bis in die höheren Dressurklassen vertreten.

Islandpferde brauchen spezielle Isi-Hufschmiede.

Was ist denn das für ein Blödsinn, warum sollten Isländer anders beschlagen werden als andere Pferde? Jeder Hufschmied, der seine Arbeit kompetent verrichtet, kann alle Pferde beschlagen, ob Isländer oder Araber, Tinker oder Trakehner. Bei Islandpferden, die wirklich regelmäßig Gangpferdeturniere reiten, ist der Beschlag sehr wichtig, das ist richtig, aber ein fähiger Hufschmied wird das wohl auf die Reihe bekommen, oder? Und das ein Isi ohne Beschlag nicht tölten kann, ist auch ein Blödsinn. „In der freien Natur tölten sie auch barfuß“, sagte mir erst neulich eine Isi-Besitzerin grinsend. Der Isländer besagter Reiterin  war bis vor kurzem noch vorne beschlagen und hinten barfuß unterwegs, töltete tadellos und auch jetzt, ohne Beschlag, gibt es keine Probleme. Nur im Turniersport gibt es strenge Regeln und Richtlinien, aber tölten kann ein Islandpferd immer, ob mit oder ohne Beschlag.

Rassisten auf der Weide?

Dieses Vorurteil könnte man auf jede andere Rasse genauso gut anwenden. Ob ein schwarzer Friese in einer bunten Isländerherde oder ein fuchsfarbener Isi in einer Friesenherde – alleine optisch schon fallen sie heraus. Das ist dann aber genau das, was wir Menschen uns denken und zusammendichten. Pferde sind Pferde, grundsätzlich haben sie keine Probleme miteinander, wir Menschen sorgen meistens für die Probleme. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen ein Vollblut nicht in die Isiherde passt, oder ein Freiberger angegiftet wird, aber im Normalfall ist dem nicht so. Allerdings kommt es auch selten vor, dass eine Herde aus nur einer Rasse besteht und dann ein Pferd einer anderen Rasse dazukommt, viel häufiger sind bunt gemischte Herden. Solche kenne ich auch, und meiner Erfahrung nach vertragen sind alle. Probleme auf der Koppel gibt es „rassenintern“ genauso.

Ich habe schon früher die Erfahrung gemacht, dass man Isländer auf keinen Fall unterschätzen darf. Die meisten Isländer sind treue und anhängliche Vierbeiner, oft auch Ein-Mann-Pferde, die eine feste Bezugsperson brauchen und zu dieser eine sehr tiefe Beziehung haben. Außerdem sind sie äußerst lernwillig und klug, auch wenn sie zu den Spätentwicklern gehören und deshalb normalerweise erst mit vier oder fünf Jahren angeritten werden.