Sind Pferde überhaupt als Gewichtsträger geeignet

Pferde sind kräftig, sie können auch große Lasten ziehen, aber zum Tragen von großem Gewicht sind sie nicht so geeignet

Seit jeher reiten Menschen auf Pferden, so sind in unseren Köpfen Bilder des wild reitenden Indianers genauso verankert wie Bilder vom Soldaten hoch zu Ross. Dabei sind Pferde von der Natur aus nicht dazu geschaffen, uns Menschen auf ihren Rücken zu tragen. Wir sehen einen breiten Rücken, vier Beine und den Bauchumfang und denken nicht daran, dass es die vergleichsweise dünne Wirbelsäule ist, die den Bauch des Pferdes tragen muss und dann auch noch das zusätzliche Reitergewicht. Beim Recherchieren habe ich Zahlen von etwa 300 Kilogramm gefunden, die der Bauchumfang eines ausgewachsenen Pferdes fassen kann. Diese 300 Kilogramm „hängen“ nun quasi an der dünnen Wirbelsäule, was nur durch die geschickte Gewichtsverteilung möglich gemacht wird. 

Unterschiedliche Rassen, unterschiedliche Pferde

Es gibt nun so viele unterschiedliche Rassen und unterschiedliche Pferde gleicher Rassen, dass man pauschal nicht sagen kann, ob ein Pferd nun ein Gewichtsträger ist, nur weil es zu dieser oder jener Rasse gehört. Wir Menschen neigen schnell dazu, Kaltblüter als Gewichtsträger einzuordnen. Sie sind groß, ihre Beine kräftig, der Rücken breit – doch sind Kaltblüter ursprünglich hauptsächlich als Zugpferde verwendet und gezüchtet worden. Daher besitzen sie zwar große Kräfte, diese liegen jedoch nicht unbedingt im Rücken, da dieser für das Ziehen einer Kutsche nicht unbedingt benötigt wird. Und ohne einen starken, muskulösen Rücken kann ein Pferd keinen Reiter tragen.

Außerdem wurden und werden immer noch viele Pferderassen „veredelt“. Das bedeutet, dass in die Zuchtlinien von „normalen“ Warmblütern und auch Ponys ein graziles, dünnbeiniges und schlankes Vollblut eingekreuzt wird, um die Nachfahren zu „veredeln“. Durch diese Versuche gibt es in vielen Pferderassen zwei Typen: die „vom alten Schlag“ und die „vom modernen sportlichen Schlag“. Besonders beim Haflinger, Friesen und Quarter Horse ist dies ein Problem, denn den sogenannten schlanken, sportlichen Pferden fehlt häufig die Fähigkeit zum Tragen von schweren Lasten/ Menschen. Sie verfügen meist über dünne Beine, schmale Brustumfänge und ebenso eher schmalen Rippenbogen. Auch in der Warmblutzucht ist dieses Phänomen zu finden.


Wie muss ein Pferd aussehen, dass mehr Gewicht tragen kann?

Allerdings gibt es einige Merkmale, die dafür sprechen, mehr Gewicht tragen zu können. Ein kurzer Rücken und ein hoher Widerrist sorgen für eine bessere Verteilung des Gewichts des Reiters, auch breite Brust- und Rippenbogen unterstützen dies. Genauso wichtig sind dicke Röhrbeine und gute Hufe, das bedeutet stabile, feste Hufe, die regelmäßig vom Hufschmied auf Vordermann gebracht werden. Grundsätzlich spricht man bei Pferden oft von Rechteckpferden (Längsrechteck- und Hochreckteckpferden) und Quadratpferden. Gemessen wird das Verhältnis von Stockmaß zu Rumpffläche (Bug bis Sitzbeinhöcker). Quadratpferde sind meistens die Gewichtsträger, da ihr Rücken eher kurz und ihr Widerrist im Vergleich dazu relativ hoch ist. Mit etwas Übung erkennt man diese äußerlichen Merkmale schnell.

Training ist wichtig

Neben diesen Äußerlichkeiten spielt natürlich auch der Trainingszustand eine sehr große Rolle.  Das perfekte Quadratpferd kann ohne Muskeln weniger Gewicht tragen als ein gut trainiertes Rechteckpferd. Die Arbeit an der Longe eignet sich hervorragend, um die Partien des Pferderückens zu stärken, die für das Tragen von Reitern wichtig sind. Und auch überschüssiges Gewicht sowohl beim Reiter als auch beim Pferd sollte man nicht ignorieren. Wenn wir Menschen ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringen, äußert sich das beim Treppensteigen, Bergaufgehen oder Laufen dadurch, dass wir viel schneller schwitzen und uns mehr anstrengen müssen, das zusätzliche Fett zu bewegen. Beim Pferd kann das kleine Bäuchlein schnell einmal 50 Kilogramm wiegen, und 50 Kilogramm mehr im flotten Galopp zu bewegen ist nicht unbedingt lustig. Allerdings halten Pferde nicht von selbst Diät, weshalb der Reiter darauf schauen sollte, dass das Fett abgebaut und stattdessen Muskeln aufgebaut werden.

Was, wenn der Reiter zu schwer ist

Es kann natürlich auch passieren, dass der Reiter einfach zu schwer für das Pferd ist, und dann sollte man, um die Gesundheit des Pferdes aufrecht zu erhalten, auf das Reiten des Pferdes verzichten. Die Gewichtsgrenze liegt bei jedem Pferd anders, so gibt es zum Beispiel Isländer und andere kräftige Ponyrassen, welche ausgewachsene Männer ohne Probleme tragen, während ein graziles Vollblut damit überfordert wäre. Man kann nicht pauschal sagen, welches Pferd wie viel Gewicht tragen kann, da viele Faktoren eine Rolle spielen und auch viel Eigenverantwortung, gesunder Menschenverstand und ein geschultes Auge eine Rolle spielen.