Erste Hilfe für Reiter und Pferd

Nicht nur für den Reiter ist das Wissen um die Erste Hilfe im Notfall wichtig. Auch die Erste Hilfe fürs Pferd sollte gekonnt sein.

Ein Thema, das in vielen Reitbetrieben unterschätzt wird, ist die Erste Hilfe, nicht nur für uns Menschen, sondern auch für die Vierbeiner im Stall. Meiner Meinung nach sollte jeder Reiter sich damit auseinander setzen, aber viel zu wenige denken tatsächlich daran – bis es zu spät ist. In meinem Reitstall sind in der letzten Zeit einige Unfälle passiert, in der Reitstunde erschrak das Pferd und die Reiterin stürzte, auf der Koppel stolperte das Pferd und im Gelände ging ein Pferd durch und trabte dann ohne Reiterin etwas verwirrt herum. Aber wenn dann tatsächlich so ein Unglück passiert ist, sind Überlegungen wie „Ach, hätte ich doch einen Erste Hilfe Kurs gemacht“ zu spät.

Erste Hilfe Kurse und Vorträge gibt es wie Sand am Meer, größere Ställe bieten immer wieder Kurse an, die meistens auch gar nicht so teuer sind. Falls in der näheren Umgebung tatsächlich nichts stattfindet, kann man immer noch selbst etwas auf die Beine stellen, die Reiter im eigenen Stall zusammentrommeln und den Tierarzt für ein Abendprogramm organisieren. Das Geld für so einen Vortrag ist gut investiert, viel besser als in eine fünfte Schabrake oder einen neuen Glitzer-Stirnriemen – denn das hilft bei einem Notfall wohl kaum.

Mit einigen Reitern aus meinem Stall habe ich erst vor wenigen Wochen so einen Kurs besucht – ich muss allerdings zugeben, dass wir diesen Beschluss erst gefasst haben, nachdem etwas passiert war und wir alle gesehen hatten, wie wichtig es im Notfall werden kann. Dank Führerschein und Studium ist mein Wissen über Notfälle beim Menschen auf einem guten Wissensstand, aber bei diesem Vortrag lag der Schwerpunkt auf dem Pferd. Der vortragende Tierarzt gab uns einen Einblick in die häufigsten Pferdekrankheiten und -verletzungen, erklärte einiges zur Anatomie und Allgemeines zum Pferd und ging dann auf die einzelnen Notfälle und darauf, was zu tun sei, ein.

Angefangen von Koliken über Geburten und offenen Wunden, bis hin zu Würmern, Fieber und Kollapsen. Ebenfalls von großer Bedeutung waren Reitunfälle und die anschließende Versorgung von Pferd und Reiter, wie es auch in Reitbetrieben recht häufig vorkommt.

Erste Hilfe Koffer im Stall

In jedem Stall sollte außerdem zumindest ein Erste Hilfe Koffer vorhanden sein und regelmäßig überprüft werden. Ich weiß nicht wieso, aber aus den Köfferchen in manchen Ställen verschwinden ständig Mullbinden, Salben oder anderes – manche Leute scheinen es wohl witzig zu sein, diese Dinge auszuborgen ohne Bescheid zu geben, dass nun etwas fehlt, was im Ernstfall schlecht ausgehen kann. In diesem Notfallkoffer sollten einige Dinge vorhanden sein: Wundauflagen, Jodsalben, Kompressen, Polstermaterial, gesteppte Watte, Fixationsmaterial, Schere, Windel, Einmalhandschuhe, Thermometer, Pinzette sowie außerdem Beruhigungstropfen (manchmal auch für die Reiter) und eine Taschenlampe. Grundsätzlich gilt: Im Zweifelsfall immer den Tierarzt anrufen, und selbst wenn es um scheinbar harmlose Dinge geht, ist es klug, eine fachkundige Meinung einzuholen und sich zu vergewissern.
Ich fühle mich nun, nach einer Auffrischung über Erste Hilfe beim Pferd wesentlich sicherer und wohler im Reitstall. Passiert ist schnell etwas, und dann ist es von großer Bedeutung, ruhig zu bleiben und erste Maßnahmen zu treffen, ehe der Tierarzt oder die Rettung eintrifft. Und normalerweise ist man ja auch nicht alleine und kann sich mit anderen absprechen, was am besten zu tun ist.

Erste Hilfe (sowohl für den Reiter als auch für das Pferd) ist äußerst wichtig, ich kann nur jedem empfehlen, sich mehr mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen, das häufig viel zu wenig Bedeutung findet.