Kann man sich ein Pferd teilen? Und wie geht das?

Das eigene Pferd ist zu teuer, man könnte sich die Kosten mit einem zweiten teilen. Aber macht das Sinn?

Folgende Situation: Studentin Anne träumt vom eigenen Pferd, eine Reitbeteiligung will sie nach schlechten Erfahrungen nicht mehr und im Schulbetrieb mitreiten kommt auch nicht infrage, da sie mehr mit dem Pferd als nur Abteilungsreiten und erleben will.

Anne hört sich um und trifft zufällig Mami Isa, deren zwei Sprösslinge schon in die Schule gehen, und die ihr letztes Pferd während der Schwangerschaft zum ersten Kind aufgegeben hat. Die beiden beschließen, sich gemeinsam ein Pferd zu teilen, die Kosten sowie die Zeit aufzuteilen und haben auch bald ein passendes Pferd gefunden.

Kann dies auf Dauer gutgehen? Sich ein Pferd zu teilen, sodass keiner der beiden zu kurz kommt? So, dass auch das Pferd zufrieden ist? 

Meine ehrliche Meinung: Nein. Ich glaube nicht daran, dass es funktioniert, wenn sich zwei gleichberechtigte Besitzer ein Pferd teilen.
Selbst, wenn es beste Freundinnen sind oder ein Ehepaar – die Idee vom gemeinsamen Pferdebesitz hört sich besser an, als sie ist. Schließlich hat jeder seine eigenen Tage, gemeinsame Aktivitäten mit dem Pferd sind da nur schwer möglich. Klar, am Anfang macht es vielleicht noch Freude, dem Anderen beim Reiten zuzusehen, doch irgendwann wird auch das langweilig oder die Zeit zu knapp. Da kann es leicht passieren, dass die ach so gute Freundschaft darunter leidet. Oder, um beim Beispiel von Anne und Isa zu bleiben: Nach einiger Zeit merkt Isa, dass sie sich im Umgang mit Pferden besser auskennt als die Studentin und dass sie auch fortgeschrittener reitet. Leicht möglich, dass sie Anne das, wenn auch unbewusst, zeigt und dass Anne das gar nicht gut aufnimmt.



Was, wenn es zu Streitereien kommt?

Schwierig wird es auch dann, wenn beide unterschiedliche Auffassungen von gewissen Dingen haben. Paddock- oder Laufstall? Geschoren durch den Winter? Ich habe es schon oft mitbekommen, dass solche Fragen die Gemüter scheiden, warum nicht auch Anne und Isa? Wer setzt sich durch, wer überzeugt, wer ist mit der neuen Situation unzufrieden? Und was, wenn Anne eine neue Reitweise entdeckt, die Isa nicht gutheißt? Oder Isa auf Westernreiten umsatteln will, Anne aber ein Dressurliebhaber ist? Jede Kleinigkeit im Bezug auf das Wohl des Pferdes kann einen großen Streit verursachen – unter dem nicht nur beide Kontrahenten leiden, sondern auch das Pferd, das ihre Zwiespalte ausbaden muss. Wie oft seht man dies schon bei Reitbeteiligungen, wenn sich die Mitreitern an die Besitzerin anpasst, obwohl es ihrem Ideal widerspricht? Und dabei ist dies doch noch recht einfach, da hier ganz eindeutig geklärt ist, wem das Pferd gehört. Bei Anne und Isa steht es jedoch 50 zu 50 Prozent.

Wer trifft die Entscheidungen?

Wer darf nun die Entscheidungen treffen? „Wir sind eh immer einer Meinung“, heißt es am Anfang und sie umarmen einander. Naiv, denke ich. Denn diese „harmlosen“ Streitereien können sich noch hochspitzen. Ein gut geregelter Vertrag ist da meiner Meinung nach Pflicht! Und darin sollte nicht nur geregelt werden, wer welche Pflichten hat – bei solch einer Teilhaberschaft vermutlich beide dieselben – und wer was zahlen muss – auch hier werden vermutlich alle Kosten halbiert (knifflig wird es dann schon, wenn Anne einen neuen Sattel anschaffen will, Isa der alte aber noch reicht) – sondern auch, was passiert, wenn Anne oder Isa die Lust am Pferd verlieren und verkaufen wollen, oder schlicht und einfach einer der beiden das Geld fehlt. Was nun? Wird das liebe Pferd nun ganz verkauft oder übernimmt Anne Isas Hälfte?

Die vertragliche Regelung?

Und der meiner Meinung nach schwierigste Punkt: Angenommen, die Pferdeteilung läuft fünfzehn Jahre gut, dann ist das Pferd, das übrigens Fritzi heißt, allerdings kein fröhlicher und gesunder Jungspund mehr, sondern ein klappriger Gaul. Verkaufen? Einschläfern? Behalten? Das ist jetzt die Frage… besonders, wenn sich die beiden uneinig darin sind, kann das „lustig“ werden. Oder wenn Fritzi und Anne einen Unfall im Gelände bauen, wer zahlt die Operation des Pferdes? Und vor allem, wollen beide operieren? Fritzi könnte es auch ohne dem teuren Klinikaufenthalt schaffen, aber Anne will lieber auf Nummer sicher gehen. Auch eine noch so starke Freundschaft kann über solchen Fragen brechen, daher mein Ratschlag: Wirklich gut überlegen, ob und mit wem man sich zu zweit ein Pferd kauft!