Pferde und Belohnung: Leckerllis oder lobende Worte

Es ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Gesundheit des Pferds ob Sie Leckerlis füttern

Für mich war das nie ein Thema, ich hatte immer einige Leckerlis in den Taschen und verfütterte die in Massen an die Pferde. Ob als Belohnung oder einfach nur „weil sie so süß schaut“ oder „weil er ja mein Lieblingspferd ist“ war mir egal. Bei den Schulpferden war das normal, das tat jeder. Kein Wunder, dass die Pferde in meinem alten Reitstall oft dicke Bäuche hatten oder nur mehr auf die Leckereien gierten. Als ich dann auf eine Reitbeteiligung umstieg, änderte sich das rapide. Warum? Ich war nun öfter im Stall, und wenn ich weiter so fleißig die Leckerlis verteilt hätte, hätte sich bald gähnende Leere in meiner Geldtasche breitgemacht. So stieg ich langsam von Leckerlis auf lobende Worte, das Abklopfen oder mit den Fingerkuppen Abstreichen des Halses oder der Stirn und Belohnung von bravem Arbeiten durch Pausen oder Beenden der Arbeit. Heute weiß ich, wie man richtig lobt, und besuche ich ab und zu die Schulpferde, erschrecke ich mich häufig darüber, wie ziellos dort mit Leckerlis herumgeworfen wird. Diese Pferde sind das gewohnt, und kommt dann statt eines Leckerlis einmal eine lobende Stimme, nehmen sie das gar nicht mehr als Lob wahr. Es gibt aber neben Leckereien genug andere Arten, das Pferd zu belohnen oder ihm einfach etwas Gutes zu tun:



Belohnung durch die Stimme

Wenn ich reite und mein Pferd gerade eine Lektion gut gemeistert hat, benutze ich oft meine Stimme, um den Vierbeiner zu bestärken. Was man dabei sagt, ist im Grunde nicht wichtig, viel wichtiger sind Klang und Betonung. Ein mit gerunzelter Stirn und zusammengebissenen Zähnen herausgepresstes „Fein“ wird das Pferd eher verwirren, als bekräftigen. Ich habe schon viele Reiter beobachtet, die unterschiedlich gelobt haben, von „feiner Bub“ über „gut gemacht“ bis zu einem lang gezogenen, schlichten „schöön“ oder „guuut“. Die Pferde reagieren darauf, spitzen die Ohren oder entspannen sich.

Kraulen / Abklopfen / Streicheln

Mir persönlich ist es lieber, mein Pferd beim Reiten den Hals zu Kraulen, anstatt ihn abzuklopfen, da ich einmal bemerkt habe, dass es ihm nicht besonders gefällt. Außerdem mögen wir Menschen es doch auch nicht, wenn wir von jemandem getätschelt oder „abgeklopft“ werden. Vielen Pferden wird es genauso gehen, da ist ein sanftes Streicheln oder Kraulen viel besser. Das gefühlvolle Streicheln verbinde ich zumindest mit mehr positiven Gefühlen, meinem Pferd geht es genauso und er spürt auch, dass ich es das Streicheln und Kraulen ernster nehme als das flüchtige, gefühlslose Abklopfen. Eine und besonders bei der Bodenarbeit zu empfehlende Möglichkeit ist auch das Kraulen der Stirn. Seit ich nicht mehr auf Schulpferden reite, bediene ich mich dem Stirnkraulen, wann immer ich bei der Bodenarbeit oder beim Spazieren gehen mein Pferd loben möchte.

Kreativität ist gefragt

Genauso wie wir Menschen verschieden sind, unterscheidet sich auch jedes Pferd von allen anderen. Welche Belohnungsmöglichkeiten es bevorzugt, hängt also ganz von ihm selbst ab. Viele Pferde genießen es auch, wenn sie sich nach einem anstrengenden Training in der Halle wälzen dürfen. Mein Wallach mag das besonders gerne, und immer wenn ich ihm nach dem Reiten zeigen möchte, dass er ganz besonders fleißig und brav war, lasse ich ihm einige Zeit in der Halle, damit er sich wälzen und austoben kann. Ihm gefällt auch das Fangen spielen sehr und ich nehme es als eine Art Belohnung. Auch eine Massage oder intensive Putzorgie kann ein Lob sein, genauso wie das Beenden einer Lektion, wenn das Pferd es gut gemacht hat.

Belohnung mit Futter

Ob es klug ist, mit Leckerlis, Karotten, Äpfeln, Hafer oder Müsli zu loben – in diesem Punkt scheiden sich die Meinungen. Ich handhabe es immer so, dass mein Pferd nach der Begrüßung entweder eine mitgebrachte Karotte, einen Apfel oder ein Stück Brot bekommt, wenn ich nichts mithabe, auch ein Leckerli. Allerdings, so ist mir aufgefallen, hustet er beim Reiten ein paar Mal, wenn er zuvor Leckerlis bekommen hat, weshalb ich darauf eher verzichte. Nach dem Arbeiten, sei es Reiten, Longieren, Bodenarbeit oder anderes, bekommt er seinen Hafer und dazu oft auch Äpfel oder Karotten. Zum Abschied gibt es einen Kuss und Leckerlis nur in Ausnahmefällen.

Es gibt einige Pferde, die zu penetranten Nervensägen werden, sobald man in der Tasche einige Leckerlis versteckt hat. So ist es auch bei meinem Pferd. Fange ich an, ihm Leckerlis zu geben, ist die Aufmerksamkeit futsch, er denkt nur mehr an die Belohnungen und es gibt kein Hindenken mehr an Arbeit.
Leckerlis bekommt er nur in angespannten und stressigen Situationen, zum Beispiel an Plätzen, die ihm Angst machen. Dort entspannt er sich dann durch das Kauen und wird auch von seiner Angst abgelenkt. Zu oft mache ich das jedoch auch nicht, da er sich dann wieder daran gewöhnt und jedes Mal nach Leckerlis verlangt.

Fazit

Ich lobe mit allen Mitteln, die sich mir in der jeweiligen Situation anbieten, besonders aber mit Stimme und Kraulen. Beim Reiten belohne ich mein Pferd, wenn es eine neue oder schwierige Übung fehlerlos absolviert hat, auch damit, dass ich die Arbeit beende, eine Pause mache oder zu etwas Anderem übergehe. Pferde sind schlau, und mein Vierbeiner hat ganz schnell begriffen, dass er sich nur anständig benehmen und seine Lektionen brav und aufmerksam erledigen muss, damit er sich dann wieder dem Fressen oder Spielen zuwenden kann.