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So ernährst Du Dein Kaninchen richtig

Experteninterview mit Herrn Rosenkranz von der Tierfutter-Manufaktur Mr. Crumble

Jeder, der sich ein Kaninchen anschafft, trägt die Verantwortung dafür. Es ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, die man nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen sollte, kein niedliches Spielzeug. Dazu gehört die artgerechte Ernährung dieses Haustieres, so dass es ein langes und angenehmes Leben, möglichst frei von Schmerzen oder Krankheit hat. Leider setzen sich viele Kaninchenhalter noch zu wenig mit der richtigen Ernährung von Kaninchen auseinander. Manchmal ein Salatblatt und sonst die Körnermischung aus dem Supermarkt wird nicht das Optimum für ihr Haustier sein.

Doch wie lautet das Rezept für gesunde und glückliche Kaninchen? Was sollte man bei der Fütterung unbedingt beachten? Wir haben Benjamin Rosenkranz von der Tierfuttermarke Mr. Crumble zum Thema richtige Kaninchen Ernährung auf den Zahn gefüllt und für Kaninchenhalter wichtige Tipps zusammengestellt. Zunächst starten wir mit einer kleinen allgemeinen Frage. Unter Umständen lesen auch Besitzer von Degus, Meerschweinchen oder Chinchillas dieses Interview und sind auf der Suche nach Tipps und Hinweisen, wie sie ihre flauschigen Freunde richtig ernähren.

Gelten die gleichen Regeln auch für diese Nagetiere oder unterscheidet sich die Fütterung dieser Tiere von der von Kaninchen oder Hasen?

Benjamin: Kaninchen und Hasen gehören zu den Hasenartigen, die sich wesentliche anatomische Merkmale, so auch das Verdauungssystem teilen. Auch das Verdauungssystem von Chinchillas, Degus und Meerschweinchen ist ähnlich aufgebaut. Sie haben im Vergleich zu anderen Tieren einen großen Blinddarm, in dem feine, nährstoffarme Partikel durch Vergärung in essentielle Nährstoffe umgewandelt werden.

Das Verdauungssystem dieser Nager hat sich an ein karges Nahrungsangebot angepasst. Zucker-, stärke- und proteinhaltige Kost wie Getreide, Früchte oder Gemüse sind in ihrem natürlichen Lebensraum die Ausnahme, nicht die Regel.

Weiterhin müssen die Tiere den ganzen Tag kleine Portionen rohfaserhaltiger Nahrung aufnehmen, um ihre Verdauung in Schwung zu halten und ihren Bedarf aus einer vergleichsweise großen Gesamt-Futtermenge zu decken. Eine weitere Gemeinsamkeit, die sich Meerschweinchen, Chinchillas, Degus und Kaninchen teilen, ist, dass ihre Zähne permanent wachsen. Das kann zum Problem werden, wenn sie nicht das richtige Nahrungsangebot bekommen, das einen Zahnabrieb fördert. 

Als Hersteller von Tierfutter bekommt ihr sicher mit, womit Kaninchenbesitzer ihren Lieblingen ungewollt schaden. Was sind häufige Fehler bei der Fütterung von Kaninchen?

Benjamin: Der Kardinalfehler ist, den Futtermittelherstellern blind zu vertrauen und sich nicht gründlich genug zu informieren. Nur weil auf der bunten Verpackung steht, dass ein Produkt für Kaninchen gedacht ist, muss es nicht gesund für Kaninchen sein.

Erstens ist das Angebot an schädlichen Leckerlies auf dem Markt noch immer viel zu groß; manche ähneln sogar Süßigkeiten für Kinder. Abenteuerlich wird es, wenn die Hersteller dieser Snacks mit Prädikaten wie „zuckerfrei“ werben, was aber nur bedeutet, dass kein Zucker zugesetzt wurde. Die Bestandteile selber enthalten aber bereits viel zu viel Zucker. Diese gutgemeinten Zuwendungen machen das Tier auf Dauer krank.

Zweitens sind - vor allem historisch bedingt - Pellets und Flocken in Futtermischungen für Kaninchen etabliert. Bevor das Kaninchen zum Haustier avancierte, hielt man die Nager lediglich zur Zucht, also zum Mästen und Schlachten. Sie mussten mit allem versorgt sein, schnell wachsen und zum Ende ihres Lebens viel auf die Waage bringen. Ernährungsbedingte Schwierigkeiten spielten aufgrund der kurzen Lebensspanne eine untergeordnete Rolle. Pellets und Flocken haben in Haustier-Kaninchenfutter nichts verloren, sie sind widerstandslos fressbar, helfen also nicht beim Zahnabrieb durch Kauen und können die Verdauungsfunktionen beeinträchtigen.

Welches Hauptfutter empfiehlt sich für Kaninchen? Also was sollten Kaninchen täglich essen?

Benjamin: Das Fundament der artgerechten Kaninchenernährung bilden möglichst viel Frischfutter und Heu, dazu gehört immer sauberes Trinkwasser. Diese sollten täglich zur freien Verfügung stehen (der Fachbegriff dafür ist „ad libitum“).

Manche propagieren auch eine reine Frischfutterfütterung, das ist allerdings umstritten. Außerdem ist die Versorgung mit frischem Grün nicht immer ohne weiteres möglich, vor allem in der kälteren Jahreszeit. Essentiell für eine nachhaltig gesunde Kaninchenernährung ist die sowohl im Heu als auch im Frischfutter enthaltene Rohfaser, die im Endeffekt für den Zahnabrieb und die geregelte Verdauung des Tieres unabdingbar ist.

Werden wir noch etwas konkreter. Wie sollte ein Fütterungsplan für Kaninchen aussehen? Könnten Sie uns einen guten Speiseplan für Kaninchen grob skizzieren?

Benjamin: Täglich frisches Grünfutter, ergänzt mit ein wenig Gemüse und Obst. Es sollte so viel sein, dass die Kaninchen bis zum nächsten Wechsel ein klein wenig übriglassen. Lieber zweimal am Tag tauschen, damit es knackig bleibt. Dazu alle paar Tage neues Heu und frisches Trinkwasser aus dem Napf. Je nach Verfügbarkeit können Grün- und Trockenfutter variiert werden.

Leckerlies in Maßen sind in Ordnung, aber möglichst natürlich sollten sie sein, zum Beispiel Raufutter mit Blüten und Kräutern.

Muss man Kaninchen im Sommer anders ernähren als im Winter?

Benjamin: Die Jahreszeit ist nicht das ausschlaggebende, sondern der Bedarf des Tieres. An der Funktionsweise der Verdauung ändert sich normalerweise nichts. Wenn ein Kaninchen ganzjährig in einer Wohnung haust, wird es im Winter nicht frieren und somit nicht mehr Energie benötigen. Im Außengehege schon. Trächtige oder unterversorgte Kaninchen benötigen ebenfalls mehr Energie, übergewichtige eher weniger.

Auch während des Fellwechsels gilt es, aufmerksam zu sein und das Kaninchen mit einer speziellen Ernährung zu unterstützen, um z. B. Haarballen im Verdauungstrakt zu vermeiden. Das detailliert zu erörtern würde jetzt aber zu weit führen.

Kurz gesagt: Kaninchenhalter sollten lieber auf den Zustand Ihres Tieres achten, statt sich an Pauschalregeln zu orientieren. Obendrein vertragen Kaninchen radikale Futter-Umstellungen nicht, die müssen, außer in Notsituationen, schrittweise erfolgen. Auch wenn man beispielsweise im Frühjahr den Frischfutter-Anteil erhöhen möchte.

Im Handel erhältlich sind ja oft Trockenfutter-Mischungen, die damit werben, Kaninchen mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Bei einigen Trockenfutter-Mischungen ist sogar angegeben, dass sie als Alleinfutter verwendet werden können. Benötigen Kaninchen Mischfutter bzw. Trockenfutter? Eignet sich sowas als Alleinfuttermittel?

Benjamin: Ein Alleinfutter enthält per definitionem alles, was das Tier täglich an Nährstoffen braucht. Es könnte demnach theoretisch jeden Tag ausschließlich gefüttert werden, ohne dass es zu Mangelerscheinungen kommt.

Um das zu erreichen, enthalten Alleinfutter für Kaninchen häufig Pellets oder ähnliches. Diese lassen sich vitaminisieren oder mit anderen Zusatzstoffen anreichern, damit die Kriterien für Alleinfutter erfüllt sind, das heißt der Nährstoffbedarf gedeckt. Anders ist das kaum zu bewerkstelligen.

Doch wie schon geschrieben, sind Pellets nicht wirklich gut für Kaninchen. Hinzu kommt, dass Kaninchen gerne ihr Futter selektieren. Wenn also einzelne Bestandteile nicht gefressen werden, fehlen unter Umständen wichtige Nährstoffe, denn der Gehalt gilt im Gesamten. Obendrein ist „Alleinfutter“ nicht gleichbedeutend mit nachhaltig gesundem Futter. Es ist zwar verboten, Futter zu verkaufen, dass der Gesundheit von Tieren schadet, aber wie man sich vorstellen kann, ist das schwer nachzuweisen.

Worauf sollte man beim Kauf von Kaninchenfutter-Mischungen achten? Was sollten gute Mischungen enthalten oder nicht enthalten?

Benjamin: Ausschlaggebend ist immer die Zusammensetzung, die es zu lesen gilt: Die Inhaltsstoffe müssen absteigend nach den Anteilen aufgeführt sein, die sie in der Masse des fertigen Produkts einnehmen.

Tauchen zu Beginn Mehle, Erbsen, Getreide oder pflanzliche Nebenerzeugnisse auf – Finger weg! Auch viel Trockenobst ist aufgrund des niedrigen Wassergehalts in Verbindung mit viel Fruchtzucker ungünstig. Hingegen sollten idealerweise Raufutter-Bestandteile wie Heu, Kräuter, Gräser oder Blüten dort stehen.

Ihr legt Wert auf getreidefreies Futter? Warum?

Benjamin: Getreide ist in der Regel sehr stärkehaltig, also energiereich und gehört eher in ein Mastfutter als in ein Haustierfutter. Durch Kaninchenfutter mit Getreide können Verdauungsprobleme entstehen und dem Zahnabrieb sind Getreidekörner auch nicht dienlich, weil sie einfach mit den Backenzähnen zerquetscht werden. Ein wenig Getreide ist unproblematisch, sollte aber die seltene Ausnahme bleiben oder gezielt, also bei Bedarf, zugefüttert werden.

Was dürfen Kaninchen nicht fressen?

Benjamin: Wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift. Manche (wahrscheinlich die meisten) Tierhalter sind viel zu sorglos, was die Fütterung ihrer Tiere angeht. Wenn Haustierbesitzer ihre Schützlinge regelmäßig falsch füttern, dann wird es kritisch. Die meisten Kaninchenhalter gehen wegen Zahn- oder Verdauungsproblemen zum Tierarzt; eines der meistverkauften Produkte in der Kategorie „Kleintiere“ auf einem bekannten Marktplatz ist eine Tinktur zur Abhilfe bei Verdauungsbeschwerden bei Nagern. Das spricht meines Erachtens Bände.

Nur weil Tiere etwas gerne fressen, darf man es ihnen nicht ständig zur Verfügung stellen. Niemand mit einem Hauch von Verantwortungsbewusstsein würde seinem Kleinkind jeden Tag Süßigkeiten vorsetzen.

Und dann gibt es jene, die daraus eine Religion machen und alles, was vom rechten Glauben abweicht, rigoros verdammen.

Eher im Sinne der Tiere handelt natürlich die zweite Gruppe, nur sollte man nicht vergessen, dass die Forschung zur Tierernährung längst nicht abgeschlossen ist und obendrein sicher kein Tier dauerhaft Schaden nimmt, weil es ausnahmsweise etwas nicht Artgerechtes fressen musste. Sonst gäbe es Kaninchen nicht seit Millionen von Jahren.

Anders verhält es sich selbstverständlich bei Giftpflanzen, es gibt einige, die sollte man unter keinen Umständen verfüttern, wie etwa die berüchtigte Herbstzeitlose und einige andere. Kaninchen selektieren ihre Nahrung sehr sorgfältig. Was sie nicht kennen, testen sie zunächst im Langzeit-Selbstversuch. Man sollte das aber nicht herausfordern.

Fazit: Fassen wir also nochmal zusammen. Wenn Sie Kaninchenhaltern 5 kurze wichtige Tipps für eine richtige und artgerechte Kaninchen Ernährung mit auf den Weg geben sollten. Welche wären das?

Benjamin: Diese 5 Regeln sollten Kaninchenhalter beachten, um Kaninchen richtig zu füttern.

  1. Jeden Tag frisches Grünfutter, Heu und Wasser.
  2. Immer mit skeptischem Blick die Zusammensetzung lesen und Werbeversprechen nicht vertrauen.
  3. Pellets, Flocken, Getreide und Obst auf ein Minimum reduzieren.
  4. Futter nie abrupt umstellen, sondern sukzessive.
  5. Das Tier genau beobachten und gegebenenfalls reagieren. 

Vielen Dank für die Infos zur richtigen Fütterung. Wir hoffen, dass viele Leser sich aus dem Interview ein paar Tipps mitnehmen konnten. Mr. Crumble bietet ja selbst eine Vielzahl von Kaninchenfutter. Teilweise auch Snacks in sehr außergewöhnlichen Formen. Aber vielen seid ihr als Marke vielleicht noch nicht bekannt. Deswegen zum Schluss noch ein paar Fragen an euch.

Wie kamt ihr auf den Namen Mr. Crumble?

Benjamin: Bei uns im Sortiment gibt es Trockenfutter in allen möglichen Varianten, nicht nur für Nagetiere, sondern wir führen auch Hundefutter, Katzenfutter und Vogelfutter. Unsere Arbeit dreht sich also im Wesentlichen um Krümel oder Streusel, oder englisch „crumble.“ Das "Mr." steht für die persönliche Fürsorge rund um unsere Produkte bzw. handgemacht. Unser Name führt zwar manchmal zu telefonischen Nachfragen, ob man richtig bei „Dr. Scrumble“ oder „Mr. Krempel“ sei, aber ich denke, beinahe jede Marke hat solche Momente. Das gehört dazu und wir nehmen das mit Humor.

Warum nennt ihr euch Tierfutter Manufaktur? Verarbeitet ihr das Futter händisch?

Benjamin: Ja, unsere Nagersnacks stellen wir händisch her und auch unsere Mischungen vermengen und füllen wir mit der Hand ab, wobei wir strengstens auf Sauberkeit achten. Dadurch haben wir die Kontrolle über jeden Arbeitsschritt und können mit Augenmaß und Hingabe Produkte herstellen, denen man das am Ende ansieht.

Worauf achtet ihr besonders bei der Produktion und welche Rohstoffe verwendet ihr?

Benjamin: Neben der unabdingbaren Hygiene steht für uns Qualität an vorderster Stelle. Wir verwenden ausschließlich hochwertige, natürliche Rohstoffe, die wir so regional wie möglich einkaufen.

Unsere Kunden sollen schon beim Auspacken ihrer Bestellung mit allen Sinnen spüren, dass ihre Entscheidung richtig war. Das gilt auch für die Fellnasen, um die es letztlich geht: Unsere Snacks und Mischungen müssen in erster Linie den Tieren schmecken, was uns durch zahlreiche positive Rückmeldungen immer wieder bestätigt wird. Aber auch Kritik nehmen wir sehr ernst und versuchen, die Wünsche unserer Kunden, wenn es irgendwie machbar ist, zu erfüllen.

Ebenso wichtig ist es uns, unnötige Verpackungen zu vermeiden. Wo es geht, setzen wir auf nachhaltige Materialien, aber wir müssen auch effizient unsere Produkte schützen. Es ist also immer eine Gratwanderung zwischen Möglichkeit und Wunsch, die wir versuchen so gut es geht zu meistern und uns weiterzuentwickeln.

Wo kann man das Futter überall kaufen?

Benjamin: Am besten in unserem Onlineshop auf www.mr-crumble.shop oder bei uns im Werksverkauf in Seerhausen, mitten im Herzen Sachsens. Auf eBay und Amazon sind wir auch vertreten, nur kosten die Produkte wegen der Verkaufsgebühren dort mehr. Ansonsten kooperieren wir auch mit kleineren Geschäften und Onlineshops, z. B. mit dem Heimtierhotel in Velbert. Die Leiterin dort, Frau Chyle, betreut viele Kleintiere und engagiert sich sehr für eine artgerechte Kaninchenernährung, weil sie täglich mit den Folgen einer falschen Fütterung konfrontiert wird.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Benjamin: Wir sind immer offen für die Zusammenarbeit mit all jenen, denen das Wohl der Tiere genauso wichtig ist wie uns. Ob das nun Onlineshops sind oder kleine, unabhängige Läden, die noch wissen, was sie verkaufen, spielt keine Rolle. Dort möchten wir präsenter werden.

Zudem entwickeln wir ständig neue Produkte um unser Sortiment zu vervollständigen und den Fellnasen noch mehr Abwechslung zu bieten. Es lohnt sich also, immer mal wieder reinzuschauen.

Abschließend möchte ich noch einmal an alle Haustierhalter und jene, die es werden wollen, appellieren: Überlegt euch vorher, ob ihr alle Ansprüche dieses Tieres erfüllen könnt und wollt. Wenn nicht, lasst es bleiben, denn Verantwortungslosigkeit und Wegwerfmentalität haben uns erst in die missliche Lage gebracht, in der wir heutzutage sind. Und kauft euren Tieren vernünftiges Futter – wir freuen uns natürlich über jeden Kunden, aber letztlich ist es egal, wo. Schaut nur genau hin.